Auftritt der Woche : Spatz da - Mireille Mathieu in Berlin

Es ist ihre erste Deutschlandtour seit 20 Jahren Heute singt Mireille Mathieu im ICC – natürlich auch auf Deutsch.

Sebastian Leber
Mireille Mathieu Foto: promo
In Form. Ihre Frisur würde Mireille Mathieu niemals ändern. -Foto: promo

Ein gewöhnlicher Spatz wird zwei Jahre alt. Höchstens. Mireille Mathieu steht seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne und freut sich, dass ihre deutschen Fans, und merkwürdigerweise nur die deutschen, sie weiterhin „Spatz von Avignon“ nennen. Das ist so süß, sagt sie. Und zeige ihr, dass sie geliebt werde. Denn wer anderen egal sei, bekomme doch keinen Spitznamen.

Heute Abend singt Mireille Mathieu im großen Saal des ICC. Das Konzert findet im Rahmen ihrer Deutschlandtour statt, der ersten seit 20 Jahren. Die überlange Abstinenz war nicht böse gemeint, beteuert die 61-Jährige, „es gab einfach zu viel zu tun“. Die Fans sind nicht sauer. Zum Auftaktkonzert am vergangenen Donnerstag in Leipzig kamen 3000, jedes Lied wurde mit „Bravo“-Rufen quittiert. Nach Berlin bringt Mathieu ihre Band, Streicher und einen Backgroundchor mit; sie singt einige Chansons auf Französisch, vor allem aber ihre deutschsprachigen Titel. Die gelten im Vergleich zu ihren sonstigen Stücken als ziemlich kitschig. Früher konnte man ihr das nicht vorwerfen, da sprach Mathieu kein Deutsch, lernte einfach den Klang der Silben auswendig, die man ihr vorsetzte. Heute versteht sie die Texte und steht trotzdem weiter zu ihnen – selbst zu besonders fragwürdigen Titeln wie „Ein Sonnenstrahl ertrinkt im Meer“ oder „Wenn es weh tut, ist es Liebe“.

150 Millionen Platten und CDs hat Mathieu weltweit verkauft, damit ist sie erfolgreicher als ihr großes Vorbild Édith Piaf. Sie selbst hält ihre Geschichte für ein „Märchen“, schließlich wuchs sie in einer armen Steinmetzfamilie mit 13 Geschwistern auf, in einer windschiefen Holzhütte in Südfrankreich. Mit 18 wurde Mathieu vom Musikmanager Johnny Stark entdeckt, der brachte sie in kürzester Zeit in die Hitparaden und bildete sie mit ruppigem Ton („Mireille, du bist ein Pferd“) zur Sängerin aus. Johnny Stark ist längst tot, aber auf Tournee begleitet er sie immer noch: Sein Foto steht in ihrer Garderobe, neben dem von Johannes Paul II. Der Papst gewährte ihr in den 80ern eine Privataudienz. Der Queen und Ronald Reagan hat sie auch schon vorgesungen, zuletzt wollte Nicolas Sarkozy von ihr die französische Nationalhymne hören. Aber beeindruckender als Johannes Paul sei keiner gewesen, sagt sie.

Mireille Mathieu, das sind auch ihre Haare. Die Helmfrisur. Sie sagt, der Pagenschnitt sei ein Markenzeichen und somit ihr größtes Kapital – neben ihrer Stimme, natürlich. Wenn sie heute in Frankreich Models mit demselben Haarschnitt über die Laufstege schreiten sieht, macht sie das stolz.

Wahrscheinlich trägt zum Mathieu’schen Mythos auch die Tatsache bei, dass die Musikerin zwar in ihren Liedern unentwegt über die Liebe singt, das eigene Liebesleben aber konsequent verschweigt. „Mon jardin secret“ nennt sie das. Mein geheimer Garten. Das hält die Klatschblätter natürlich nicht vom Spekulieren und Verbreiten wilder Gerüchte ab. Ein besonders absurdes hält sich seit Jahren hartnäckig: dass Mireille Mathieu ein Verhältnis mit dem deutschen Volksmusikmoderator Florian Silbereisen (26) habe. Von „innigen Umarmungen“ und „zärtlichen Berührungen“ ist da die Rede, Psychologen werden befragt, ob eine solche Beziehung funktionieren könne, und als sich die beiden bei der Verleihung der „Goldenen Henne“ im Friedrichstadtpalast auf der Bühne anlächelten, schien der Beweis fast erbracht.

Im Friedrichstadtpalast ist Mathieu schon oft aufgetreten, zum ersten Mal 1967, sechs Jahre nach dem Mauerbau. Da sei sie so freundlich empfangen worden, dass sie die Tränen nicht zurückhalten konnte. Überhaupt hat die Musikerin an Berlin gute Erinnerungen: In den Kreuzberger Hansa-Studios nahm sie 1969 ihre erste deutsche Single auf: „Hinter den Kulissen von Paris“, natürlich ein Liebeslied. Mathieu will es heute Abend singen. Im Anschluss an das Konzert wird nicht gefeiert. Vielleicht löffelt sie eine Suppe, dann ab ins Bett. Sie braucht neun Stunden Schlaf, um fit zu bleiben. „Mein Beruf ist wie der eines Sportlers.“ Und sie hat nicht vor, nachzulassen. Das Märchen soll noch ein bisschen weitergehen, sagt sie.

Beginn ist um 20 Uhr. Es gibt noch Karten ab 58 Euro an der Abendkasse.

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