Deutscher Filmpreis : Meine Lola, deine Lola

Im Palais am Funkturm wurde am Freitagabend der Deutsche Filmpreis verliehen - mit stehenden Ovationen für Vicco von Bülow.

Andreas Conrad
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Im Freudentaumel. Die Preisträger Loriot und Ulrich Tukur gratulieren sich gegenseitig, Ursula Werner und ihr „Wolke 9“- Regisseur...

Die Bedeutung bloßer Beine in kurzen Hosen für die Entwicklung des deutschen Films wurde bislang unterschätzt. Aber nach diesem Freitagabend im Palais am Funkturm, nach der Zeremonie zur Verleihung des Deutschen Filmpreises, sind wir auch hierin klüger – dank Vicco von Bülow. Der war gerade acht, als er im Kino „Emil und die Detektive“ sah, die Titelhelden allesamt kurzbehost und in ebensolchen Socken, während er zu langen braunen Wollstrümpfen samt Strumpfhaltern und Leibchen gezwungen war. Damals im Herbst 1931 erkannte er: „Nur der Film vermag einen Traum zu verwirklichen, für den es sich zu leben lohnt – den Traum von kurzen Strümpfen.“

Ja, das war wieder der wahre Loriot, das war der Witz von „Ödipussi“ und „Pappa ante Portas“ in Kurzform, gleich zu Beginn der Feier am frühen Abend. Die stehenden Ovationen hatte Loriot, mit der Lola fürs filmische Werk geehrt durch Michael „Bully“ Herbig, schon vor der autobiografischen Humoreinlage erhalten, so herzlich, ja begeistert, wie man es selten hat bei solchen Zeremonien. Ein hohe Latte für das Unterhaltungspotenzial der nun folgenden Preisverleihungen war damit gelegt, eigentlich unerreichbar, und so hat sie denn manch einer leider gerissen. Zumal viele der Geehrten sich nun bereits einen neuen Wettbewerb zu liefern schienen: Wer bekommt in den ihm zugebilligten 45 Sekunden die meisten Namen und Danksagungen unter?

Deutscher Filmpreis
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Die ersten stehenden Ovationen hatte es bereits gegeben, bevor die Fernsehkameras liefen. Senta Berger und Günter Rohrbach, die beiden Präsidenten der Deutschen Filmakademie, waren seit der ersten Lola-Verleihung durch die Akademie vor fünf Jahren dabei, nun scheiden sie bald aus, da war ausgiebiger Beifall fällig. Auch die Versicherung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, die Staatsgelder würden nicht gekürzt, hörte jeder im Saal nur zu gern und applaudierte fleißig.

Und dann hatte endlich Barbara Schöneberger ihren Auftritt, Moderatorin des Abends, in roten Glitzerkleid, was aber, wie sie im Vorfeld gestand, einen Nachteil hatte: Was man unten wegdrücke, komme an anderer Stelle wieder raus. Nun, es war nicht wirklich ein Nachteil, und Kleid hin, Kleid her – sie hat es, zum zweiten Mal schon, wieder sehr gut gemacht, trotz Schwankungen in der Witzqualität. Doch man war ja oft geradezu dankbar, dass nach den mitunter recht salbungsvollen Einleitungen der Preispaten und dem Herunterbeten all der Personen, ohne die dieser oder jener Film nicht möglich gewesen wäre durch die Preisträger, die rotglitzernde Barbara dann einfach die von ihren Vorrednern kräftig getretene Spaßbremse wieder mit einem munteren Spruch zu lockern wusste.

Nicht alle sind eben solche Danksagungsprofis wie Ulrich Tukur, der sich auch durch sehr laute Musik und ein im Boden versinkendes Mikrofon kaum davon abhalten ließ, das chinesische Rezept für ein Pfund Froschkutteln vorzutragen. „Schon wieder einer von uns“, hatte er triumphiert, er war schließlich nicht der erste in Florian Gallenbergers „John Rabe“-Team, der eine Lola ergatterte. Und sollte nicht der letzte bleiben.

Doch, man kann es einen gelungenen Abend nennen, der Krise zum Trotz, die natürlich auch in den Reden auf der Bühne präsent war und der man wohl auch die vergleichsweise bescheidene Dekoration in der Empfangshalle der Messehallen am Hammarskjöldplatz verdankte, wo sich ab 17 Uhr die Gäste, die Nominierten und ihre Paten versammelt hatten, die Creme de la Creme des deutschen Films, wie üblich. Susanne Lothar, Katja Riemann, Martin Gwisdek, Armin Rohde, Jasmin Tabatabai, Christiane Paul, Sophie Rois, Heike Makatsch, alle, alle waren sie da. Und dürfen sich nun auf die neue Filmabwrackprämie freuen, die Barbara Schöneberger schnell mal so als Möglichkeit hingeworfen hat, unter Anwesenheit des Herrn Staatsministers: Die neun Jahre alten Filme verschrotten und dafür jeweils 2,5 Millionen Euro kassieren – Hollywood hätte nicht länger die geringste Chance.

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