Mitte : Große Pläne am Hackeschen Markt

Bis 2010 entsteht in Mitte das Hackesche Quartier. In das neue Quartier sollen Büros, Einzelhandelsflächen und Apartments ziehen. Hauptmieter werden die Gasag und eine Werbeagentur.

Matthias Jekosch
hackesches quartier
Im Hackeschen Quartier sollen Büros, Verkaufsflächen und Wohnungen entstehen. -Foto: Kleist-Heinrich

In der Mitte Berlins entsteht derzeit ein neues Großprojekt. Südlich des S-Bahnhofs Hackescher Markt wird bis 2010 das Hackesche Quartier auf einer Grundstücksfläche von 10 700 Quadratmetern gebaut. Zum Vergleich: Die Hackeschen Höfe im Norden des Bahnhofs, nach eigenen Angaben die größte geschlossene Hofanlage Deutschlands, sind etwa 9200 Quadratmeter groß.

Entwickelt wurde das neue Quartier von der Bonner IVG Development GmbH. Die Masterplan-Entwürfe stammen von dem Architektenbüro Müller Reimann. Es war unter anderem auch für den Neubau des Auswärtigen Amtes am Werderschen Markt verantwortlich. Darüber hinaus sind zwei weitere Architekturbüros an den Planungen beteiligt. Derzeit befindet sich noch ein Parkplatz auf dem Grundstück, auf dem insgesamt sieben Gebäudeteile entstehen sollen. Sie werden auf zwei große Blöcke aufgeteilt. Dazwischen soll eine Gasse sowie ein Platz mit einer „hohen Aufenthaltsqualität“ entstehen, wie Projektleiter Frank Schönebeck sagte. Gespräche mit Landschaftsarchitekten liefen bereits. Er versprach, den Bedürfnissen der Anwohner gerecht werden zu wollen. „Die Leute wollen ein lebendiges Quartier.“ Zu den Gesamtkosten sagte er nur, dass sie sich um einen dreistelligen Millionenbetrag bewegen würden.

Das höchste Gebäude wird 30 Meter hoch sein. Die Höhe des Vorbaus orientiere sich an der Berliner Traufhöhe von 22,5 Metern, sagte Schönebeck. Damit wollen die Planer das Quartier an die Umgebung anpassen. „Hier ist vor allem eine kleinteilige Struktur. Wir wollten keinen Monolithen schaffen“, sagt Schönebeck dazu.

Die verschiedenfarbigen Gebäude mit einer Mietfläche von über 36 000 Quadratmetern sollen zu 80 Prozent vergeben sein. Größter Mieter wird die Berliner Gaswerke AG (Gasag) auf insgesamt 8500 Quadratmetern Fläche. Sie wird mit der Konzernzentrale samt Tochtergesellschaften und dem Kundenzentrum einziehen. Der Mietvertrag in der bisherigen Zentrale im Shellhaus läuft 2009 aus. Die Tochtergesellschaft Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg hat zusätzlich 5000 Quadratmeter gemietet. Die Werbeagentur Scholz & Friends als dritter großer Mieter wird ihre drei Berliner Standorte in einem Gebäudeteil auf 8000 Quadratmetern zusammenlegen. Insgesamt nehmen die Büroflächen mit 68 Prozent den größten Platz in Anspruch. Die Einzelhandelsflächen sind noch nicht vergeben. Vorgesehen sind Lebensmittelgeschäfte, Textilläden, Cafés und Restaurants. Hinzu kommen 145 Apartments der Firma Adina Europe, für die auch Serviceleistungen angeboten werden sollen. In der Tiefgarage unter dem Grundstück sollen 330 Stellplätze entstehen.

Möglich wird das Projekt erst durch einen Schwenk der Straße An der Spandauer Brücke nach Süden. Die Bauarbeiten für die neue Straße, die in Verlängerung der Rochstraße entsteht, sind bereits gestartet und sollen im Sommer beendet werden. So lange soll der Verkehr noch über die alte Straßenführung geleitet werden, so dass es laut Schönebeck zu keinen großen Einschränkungen kommen dürfte. Wie die neue Straße heißen soll, steht noch nicht fest und muss vom Bezirk entschieden werden. Die Straßenbahnlinien sowie die Haltestellen bleiben nach den Plänen, wie sie sind. Der Baubeginn für das eigentliche Quartier ist in diesem Frühjahr vorgesehen.

Die IVG ist mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Milliarden Euro weltweit aktiv. In Berlin hat sie beispielsweise das Kanada-Haus oder das Bürogebäude der Deutschen Bahn an der Invalidenstraße entwickelt. Das Hackesche Quartier hat sie vor knapp zwei Jahren erworben. Es hat zuvor zum größten Teil dem Land Berlin gehört. Der Rest war im Besitz von Privatleuten. Schönebeck ist begeistert vom zentral gelegenen Standort. „Plätze wie diesen gibt es nicht mehr viele in Mitte.“ Mit den Neubauten schließe sich eine der letzten historischen Lücken im Stadtkern.

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