STADTMENSCHEN : Der Mann, der Flipper trainierte

„Wir lieben Flipper, Flipper …“ Das Lied der US-Fernsehserie hat Richard O’Barry zur Genüge gehört: Er war zehn Jahre Trainer des Fernsehdelfins. Dann aber wechselte der heute 68-Jährige aus Miami die Lager – und kämpft nun seit Jahrzehnten gegen Delfinshows, -therapien und den kommerziellen Fang dafür vor allem in Japan. Heute wird er auch mit Jürgen Ortmüller vom gemeinsam gegründeten Wal- und Delfinschutz-Forum aus Hagen und Vertretern der Grünen von 11.30 bis 14.30 Uhr am Brandenburger Tor gegen aktuelle Importe der Meeressäuger demonstrieren. Mit dabei ist die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Undine Kurth, die gestern einen Antrag auf Importverbot „der qualvoll gefangenen Tiere“ in den Bundestag einbrachte. In Deutschland fristeten fast 30 Tiere ihr Dasein in Delfinarien, so Kurth: Im Heidepark Soltau, im Zoo Duisburg, im Allwetterzoo Münster – in Nürnberg sei sogar ein Neubau geplant.

Doch nach einer Begegnung mit O’Barry werden viele Berliner so eine Show wohl nicht mehr beklatschen: Bei der Pressekonferenz im Hotel Excelsior zeigte er Sequenzen seines Kinofilms, den er beim Sundance-Filmfestival in den USA vorstellt: Da treiben Jäger vom Walfangmuseum im japanischen Taiji hunderte Tiere in eine Bucht, Show-Delfintrainer „suchen die besten aus“, verletzen sie mit Booten, Seilen und Netzen und liefern sie auch nach Deutschland. Die übrigen werden mit Stangen abgestochen, das Meer blutrot. Zehntausende waren das schon. Ihr Fleisch kommt in Supermärkte. O’Barry: „Laut Proben ist das wegen des durch die Meeresverschmutzung extrem hohen Quecksilbergehalts eigentlich Sondermüll.“ Bei der Demo heute macht der Experte so manchen Kindheitstraum zunichte: „Flipper, das waren eigentlich sechs Tiere, in einem kleinen Salzwassersee. Kathy, das am meisten eingesetzte Weibchen, nahm sich auf eine für Delfine typische Art sozusagen das Leben: Es stellte die Atmung ein.“ Macht er Sightseeing in Berlin? „Nein. Ich bin wegen des Tierschutzes da.“ Als Flipper-Trainer hat er einst sogar selbst Delfine gefangen. „Das lässt mich nicht mehr los.“ Auch die Delfin-Tattoos sind unvergänglich. kög

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