STADTMENSCHEN : DJ Bobo rodelt am Potsdamer Platz

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Bald kommt das Christkind, aber erst kommen die Stars. Am Donnerstag lädt Komiker Helge Schneider die Presse zur jährlichen Nonsens-Konferenz, um den Ticketverkauf für seine Frühjahrstour anzukurbeln. Und am Nikolaustag hielten Geiger David Garrett im Hotel Adlon und DJ Bobo am Potsdamer Platz aus demselben Grund Hof. Der zierliche Schweizer kommt am 5. Mai nächsten Jahres mit seinem „Dancing Las Vegas“-Showzirkus in die Max-Schmeling-Halle und fügte sich gestern als Alpenanrainer in Jeans und Wollpullover harmonisch in die rustikale Jagerteehütte auf der Winterwelt.

Doch wie redet man ihn an? Herr Bobo klingt beknackt. Aber Herr Baumann, wie der 1968 im Kanton Aargau geborene DJ Bobo bürgerlich heißt, ist irgendwie auch komisch. Der Großmeister des Eurodance („Chihuahua“) selbst kennt das aus 20 Bühnenjahren und reagiert angenehm entspannt. Das liegt nicht nur daran, dass das musikalische Schreckgespenst der Neunziger 14 Millionen Alben unters Volk gebracht und seine Schäfchen längst im Trockenen hat. Sondern daran, dass Bobo ein gedanklich gut sortierter Typ ist, der seine Sachen reflektiert. Dass Künstler wie er in schnelllebigen Zeiten wie diesen allein durch ihre Steherqualitäten, ihre beharrliche Anwesenheit Kult werden, ist ebenso Teil seines Konzepts wie der Showbombast, der seine eher schlichte Partymusik veredelt. „Die Leute verlassen sich gerne auf bestehende Marken“, sagt er. Und das heißt bei Bobo: Kostüme, Aufbauten mit Eisfläche und Wasserfall, Effekte, Choreografien. Er hat 22 Tänzer und Musiker auf der Bühne und 80 Mitarbeiter dahinter. Die Songs, die für „Dancing Las Vegas“ gerade als Album erschienen sind, seien eigentlich nur noch Soundtrack zur Show. „Für mich als Musiker ein frustrierender Gedanke“, seufzt der Mann und nicht die Marke. Hier in der Stadt hat er vor Beginn seiner Großhallen-Ära übrigens auch mal im kleinen Huxley’s an der Hasenheide gespielt. „Die waren nicht leicht zu knacken, die Berliner.“ Später will DJ Bobo noch für die Fotografen die Rodelbahn hinunter. „Ich mache Unterhaltung“, sagt er. Und wer da im Geschäft bleiben will, darf nicht zimperlich sein. gba

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