Stadtmenschen : Nils Busch-Petersen hat die Kippa immer dabei

Vor gut fünf Jahren gründete Handelsverbandschef Nils Busch-Petersen das Louis-Lewandowski-Festival für Synagogalmusik – jetzt hat er dafür eine deutsch-jüdische Auszeichnung erhalten.

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Hier steht Handelsverbandschef Nils Busch-Petersen im November 2013 am Gedenkstein für Warenhausgründer Oscar Tietz im polnischen Miedzychód (früher: Birnbaum an der Warthe).
Hier steht Handelsverbandschef Nils Busch-Petersen im November 2013 am Gedenkstein für Warenhausgründer Oscar Tietz im polnischen...Foto: Cay Dobberke

Er habe für alle Fälle „immer eine Kippa im Mantel“, hat Nils Busch-Petersen einmal gesagt. Denn der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg ist zwar kein Jude, aber oft zu Gast in Synagogen und bei Gedenkfeiern auf jüdischen Friedhöfen. Der 52-Jährige hat die Geschichte jüdischer Kaufleute erforscht und Bücher geschrieben über die Warenhausgründer Adolf Jandorf (KaDeWe) und Oscar Tietz (Hertie). Außerdem rief er 2011 das „Louis Lewandowski Festival“ ins Leben, bei dem Chöre aus aller Welt synagogale Musik in Berlin singen – nun wurde er dafür geehrt.

Lewandowski gilt als Reformator der Synagogalmusik

Am Montagabend fand im Abgeordnetenhaus die 16. Verleihung des „Obermayer German Jewish History Awards“ an neun Preisträger aus ganz Deutschland statt. Als Festivaldirektor habe Busch-Petersen „dem Werk des transformativen jüdischen Komponisten Louis Lewandowski zu neuem Ruhm verholfen“, lobt die Jury. Lewandowski (1821 bis 1894) hatte als Komponist und Chorleiter der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße die jüdische Liturgie reformiert.

Nachwuchssänger: Ein Jugendchor beim Festival im Dezember 2015.
Nachwuchssänger: Ein Jugendchor beim Festival im Dezember 2015.Foto: promo / Julien Bergner

Das fünftägige Festival findet immer um den dritten Advent herum in Berlin und Potsdam statt, vor allem in Synagogen und Kirchen. Schirmherren sind der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe.

Festival ermöglicht Sonntagsverkauf

Zu den Sponsoren gehören vor allem Einzelhändler. Das ist kein Zufall: Das Festival bildet die rechtliche Grundlage für die Sondererlaubnis des Senats, mit der alle Berliner Läden jährlich am dritten Adventssonntag verkaufen dürfen. Die Idee zu dem Festival kam Busch-Petersen vor einigen Jahren bei einem Abendessen mit seinem alten Freund, dem Juwelier Heinz Rothholz, und dem damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Man sprach dabei auch über die Ladenöffnungszeiten. Allerdings reicht Busch-Petersens Verbundenheit mit der Synagogalmusik weiter zurück. Bereits 2007 gehörte er zu den Gründern des Fördervereins des Chores „Synagogal Ensemble Berlin“.

Auch der CDU-Politiker Reinhard Führer ist Preisträger

Der „German Jewish History Award“ geht auf eine Stiftung des im Januar verstorbenen amerikanischen Chemikers, Unternehmers und Genealogen Arthur S. Obermayer zurück, der jüdische Vorfahren aus Deutschland hatte. Bisher wurden fast 90 Deutsche, die nicht dem jüdischem Glauben angehören, ausgezeichnet. Am Montag gehörte dazu auch der Ex-Präsident des Abgeordnetenhauses, Reinhard Führer (CDU), wegen verschiedener Verdienste um die deutsch-jüdische Verständigung. Als Hauptredner würdigte der jetzige Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD) die Preisträger.

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