Straßenbahn und Radfahrer : Gummi an der Schiene soll Unfälle verhüten

Straßenbahnschienen können Radfahrern gefährlich werden. Der Senat erwägt ein Modellprojekt, um Stürze zu verhindern. Die BVG ist skeptisch - und warnt vor enormen Kosten.

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Immer wieder stürzen Radfahrer, weil sich ihr Reifen in Straßenbahngleisen verklemmt.
Immer wieder stürzen Radfahrer, weil sich ihr Reifen in Straßenbahngleisen verklemmt.Foto: Manfred Thomas

Das Problem kennt wohl jeder, der ab und an durch Berlin radelt: Straßenbahnschienen sind gefährlich für schmale Fahrradreifen – vor allem, wenn man sie im falschen Winkel quert. Immer wieder kommt es dabei zu Stürzen. Das will der Senat ändern und regt einen Modellversuch an, der die Gefahr minimieren soll.

Vorbild ist die Stadt Zürich, wie Daniela Augenstein sagt, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). In der Schweizer Metropole wurde auf einer 90 Meter langen Teilstrecke der Straßenbahn testweise eine Gummifüllung in die Gleise integriert, die von Fahrradfahrern problemlos überfahren werden kann, die aber von Straßenbahnen heruntergedrückt wird. Der Tagesspiegel hatte über den Test bereits im August vergangenen Jahres berichtet, nachdem es einen schweren Unfall in Mitte gegeben hatte. Nun will die Senatsverwaltung mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) besprechen, ob man einen ähnlichen Versuch auch in Berlin unternimmt, sagt Augenstein. Gerade in den Innenstadtvierteln mit einem hohen Radverkehrsaufkommen sei es nötig, über die Lösung dieses Verkehrssicherheitsproblems nachzudenken.

Dafür haben sich die Fachleute der Senatsverwaltung auch schon eine mögliche Teststrecke ausgeguckt: Auf der Alten Schönhauser Straße, Ecke Torstraße gibt es Straßenbahngleise, auf denen nur sporadisch Züge verkehren, die aber oft von Radfahrern gekreuzt werden. Dieser Abschnitt gehört nicht zur regulären Strecke der BVG-Bahnen, sondern wird nur gelegentlich als Ausweichstrecke benutzt. Außerdem gibt es hier zwar einen gewissen Autoverkehr, aber deutlich weniger als in den umliegenden Straßen. Aus Senatssicht ein ideales Testfeld.

Bei der landeseigenen BVG hingegen ist man da nicht so sicher. „Wir beobachten den Test in Zürich mit Interesse“, sagt BVG-Sprecher Markus Falkner. Allerdings sei man „skeptisch, dass das eine einfache Lösung ist“. Das hat vor allem technische Gründe: Die Berliner Straßenbahnschienen seien aus gewalztem Stahl, der unten in den Rillen halbkreisförmig ist. Durch dieses halbrunde Profil würde ein einfaches Gummi leicht wieder aus der Schiene rutschen, gibt Falkner zu bedenken. In Zürich hingegen seien die extra für das Experiment gefertigten Schienen unten gerade gestaltet. Insgesamt habe das Experiment dort Mehrkosten in Höhe von rund 340 000 Euro verursacht.

Falkner gibt zu bedenken, dass die BVG nicht nur für den Test auf einem Teilstück neue Gleise verlegen müsste, sondern bei einem erfolgreichen Modellversuch komplett neue Gleise zu verlegen hätte – was mit enormen Kosten verbunden wäre, die wohl niemand übernehmen möchte. Nach Angaben von Senatsverwaltungssprecherin Augenstein ist die Kostenfrage eines der Themen, das man mit der BVG jetzt besprechen will. Generell sei das Verkehrsunternehmen dafür offen, wie Falkner sagt: „Wenn der Senat mit uns sprechen will, führen wir Gespräche.“

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