Straßenmusik in Mitte : Piano fort - wieso ein Musiker Berlin den Rücken kehrte

Gregor Blösl hat sich in Städten wie Paris, Nizza und Lyon einen Namen als Straßenmusiker gemacht. Berlin hat er jetzt wieder verlassen - wegen des Ordnungsamtes.

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Schön war's. Gregor Blösl am Dienstag bei seinem Konzert vor der Kulisse der Alten Nationalgalerie.
Schön war's. Gregor Blösl am Dienstag bei seinem Konzert vor der Kulisse der Alten Nationalgalerie.Foto: Lars von Törne

Die Friedrichsbrücke auf der östlichen Seite der Museumsinsel ist eine spektakuläre Bühne für Straßenmusiker. Neben Berliner Dom und Alter Nationalgalerie spielen hier täglich Saxofonisten, Akkordeonspieler oder Gitarristen, deren musikalisches Können allerdings nicht immer der Aura des Ortes gerecht wird. In den vergangenen Tagen konnten sich Passanten dann an ein paar Freiluftkonzerten erfreuen, die nicht nur musikalisch höchstes Niveau hatten, sondern bei denen auch ein Instrument zum Einsatz kam, das man auf der Brücke nur selten gesehen hat: Ein Klavier.

An den Tasten saß der Innsbrucker Pianist Gregor Blösl, der sich in Städten wie Paris, Nizza und Lyon einen Namen als Straßenmusiker gemacht hat. Seine von Keith Jarrett und Yann Tiersen inspirierten Improvisationen passen wunderbar zu diesem Ort – und gerne würden wir an dieser Stelle weitere Auftritte von ihm empfehlen.

„Die Berliner nehmen das sehr ernst“

Allein, der 36-jährige Österreicher hat die Rechnung ohne Berlins Ordnungsamtsmitarbeiter gemacht. Der alte VW-Bus, mit dem der Musiker und seine zwei Klaviere durch Europa reisen, hat keine grüne Plakette. Also prangte jeden Tag aufs Neue an seiner Windschutzscheibe ein Strafzettel, Kostenpunkt 80 Euro. „Die Berliner nehmen das sehr ernst“, sagt der studierte Komponist. „In München hat man mir gesagt, das geht auch mal ein paar Tage so ohne Plakette.“

Eigentlich wollte er ja noch bleiben – aber so ist ihm das Vergnügen zu teuer: „Ich fahre wohl mit null Euro wieder heim.“ Dabei sei Berlin „eine der coolsten Städte“. Jetzt will er erst mal anderswo Geld verdienen – um sich eines Tages wieder einen Berlinbesuch leisten zu können.

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