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Sturm "Herwart" : Berlin vom Bahn-Fernverkehr abgeschnitten

Nach Herbststurm "Herwart" ist der Ausnahmezustand bei der Berliner Feuerwehr aufgehoben. Auch immer mehr Züge rollen wieder, allerdings nicht im Fernverkehr.

Der Sturm "Herwart" hat starke Auswirkungen auf die Region. Über Zugausfälle informiert dieses Schild am Ostbahnhof.
Der Sturm "Herwart" hat starke Auswirkungen auf die Region. Über Zugausfälle informiert dieses Schild am Ostbahnhof.Foto: Axel Schmidt/Reuters

Der Herbststurm "Herwart" hat sich gelegt. Die Schäden sind noch nicht absehbar. Die Feuerwehr ist zwar auch weiterhin im Dauereinsatz, jedoch kehrt allmählich die Normalität zurück, jedenfalls im Nordosten. Einige Regionalexpress-Züge fahren wieder, der Fernverkehr liegt allerdings zum großen Teil weiterhin brach. Berlin ist vom übrigen Netz fast komplett abgeschnitten.

Wegen der schweren Sturmschäden wollte die Deutsche Bahn den Betrieb wichtiger Strecken im Fernverkehr erst am Montag wieder aufnehmen. Unter anderem bleiben bis Montag die Verbindungen Hamburg-Berlin, Berlin-Frankfurt/Main, Berlin-Leipzig, Berlin-Dresden gesperrt. Kunden sollten sich vor Reisebeginn über die aktuelle Lage informieren. Trotz zahlreicher Ausfälle des regionalen Zugverkehrs (siehe unten), scheint die Region Berlin-Brandenburg im bundesweiten Vergleich aber glimpflich davonzukommen.

Die Berliner Feuerwehr fuhr nach eigenen Angaben seit dem frühen Sonntagmorgen mehr als 200 wetterbedingte Einsätze. Sie rief den Ausnahmezustand aus und mobilisierte alle Freiwilligen Feuerwehren der Hauptstadt. Man sei „für alle Situationen gerüstet“, hatte ein Sprecher zuvor erklärt. Auch das Technische Hilfswerk (THW) ist im Einsatz. Im Regionalverkehr musste die Bahn den Betreib auf zahlreichen Linien einstellen. Im S-Bahn-Netz kommt es wegen Unwetterschäden zu Beeinträchtigungen. Bei der U-Bahn war am Morgen die Linie U 3 drei Stunden unterbrochen. Der Fährbetrieb war auf fast allen Linien eingestellt.

Einsatzkräfte in Berlin: Die Feuerwehr wurde am Sonntagmorgen wegen Sturm "Herwart" mindestens 100 Mal gerufen.
Einsatzkräfte in Berlin: Die Feuerwehr wurde am Sonntagmorgen wegen Sturm "Herwart" mindestens 100 Mal gerufen.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Beim Einsturz eines Gerüstes am Schöneberger Ufer wurde eine Person schwer verletzt. In der Uhlandstraße war die Feuerwehr wegen eines abgedeckten Daches im Einsatz.

Die volle Kraft von „Herwart“ hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Deutschland für Sonntagvormittags vorausgesagt.

Die Berliner S-Bahn gab am Sonntagmorgen wetterbedingte Einschränkungen für die Linien S1, S5, S8 und S46. Auf den Linien S2, S5 und auf der Ringbahn zwischen Westend und Gesundbrunnen fuhren auch am Abend nur Ersatzbusse. Die Linien S1 und S2 verkehren bis auf Weiteres im 20-Minutentakt. Die S-Bahn hatte ihre Kunden dazu aufgerufen, gegebenenfalls auf die Verkehrsmittel der BVG umzusteigen.

Bei der BVG gab es nur kleinere Einschränkungen. Auf der U-Bahn-Linie U 3 konnten die Züge am frühen Morgen drei Stunden nicht auf der oberirdischen Strecke zwischen Breitenbachplatz und Krumme Lanke fahren. Einige Buslinien mussten umgeleitet werden; unter anderem im Bereich Cicerostraße in Wilmersdorf, wo nach Angaben der BVG mehrere Bäume umgestürzt sind. Linie M 29 muss wegen des eingestürzten Gerüsts am Schöneberger Ufer weiter eine andere Strecke fahren. Der Fährbetrieb ruhte zum größten Teil.

Zugverkehr in weiten Teilen Deutschlands eingestellt

Die Deutsche Bahn hatet ihren Zugverkehr am Sonntagmorgen in weiten Teilen Deutschlands eingestellt. Wegen des Sturmtiefs „Herwart“ führten derzeit keine Züge mehr in Nord- und Mitteldeutschland, teilte ein Bahnsprecher am Morgen in Berlin mit. Betroffen seien die Strecken in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie die Fernverkehrsstrecke Berlin-Hamburg. Züge aus anderen Regionen in diese Gebiete endeten vorzeitig. Bis Montag gesperrt bleiben nach Angaben der Bahn die Verbindungen Hamburg-Berlin, Berlin-Frankfurt/Main, Berlin-Leipzig, Berlin-Dresden, Bremen-Hannover, Dortmund-Hamburg und Hannover-Dortmund.

Zoo und Tierpark in Berlin blieben wegen der Sturmwarnung am Sonntag geschlossen. Herabfallende Äste des alten Baumbestandes könnten eine Gefahr für Besucher sein, hieß es in einer Mitteilung vom Samstag.

In Brandenburg war die Nacht ruhig, die ersten Sturmschäden meldete der Lagedienst des Innenministeriums am frühen Morgen. Unter anderem gebe es entlang der Autobahnen 11 und 12 umgestürzte Bäume.

Bahnstrecken durch umgestürzte Bäume blockiert

Die Bahnstrecken zwischen Kiel und Hamburg, sowie zwischen Flensburg und Hamburg wurden durch umgestürzte Bäume blockiert. „Entstörtrupps sind bereits mit Kettensägen und anderem schweren Gerät vor Ort und arbeiten fieberhaft an einer Beseitigung der Hindernisse“ sagte ein Bahn-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Wann die Strecken wieder frei sein werden, war zunächst unklar.

Voraussichtlich fällt „Herwart“ nicht ganz so stark aus wie „Xavier“ Anfang Oktober. Das Fortschreiten des Herbstes könnte zudem dazu beitragen, dass er weniger zerstörerisch wirkt als sein Vorgänger: Die Bäume tragen weniger Laub als vor vier Wochen und bieten damit weniger Angriffsfläche. Vor allem im Norden und Osten Deutschlands sind Spaziergänge oder Frühsport im Wald dennoch gefährlich.

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