Tagebau in der Lausitz : Giftige Gefahr aus dem Südosten

Bei Cottbus wird ein Tagebau errichtet – mit möglichen Folgen für das Berliner Trinkwasser: Brandenburgs Umweltministerium warnt vor Sulfat-Belastungen in der Spree.

von
Der Energiekonzern Vattenfall will den Tagebau Welzow-Süd in Cottbus ab 2027 erweitern. Dafür sollen rund 2.000 Hektar Land in Brandenburg und im angrenzenden Sachsen abgebaggert werden. In dem Feld sollen nach Angaben des Konzerns rund 200 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert werden.
Alle Bilder anzeigen
Foto: dpa
11.09.2012 18:47Der Energiekonzern Vattenfall will den Tagebau Welzow-Süd in Cottbus ab 2027 erweitern. Dafür sollen rund 2.000 Hektar Land in...

Das Brandenburger Umweltministerium schlägt Alarm: Die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall für eine umstrittene Erweiterung der Braunkohle-Tagebaue in der Lausitz können das Berliner Trinkwasser gefährden. Das geht aus einer vertraulichen Stellungnahme des von Anita Tack (Linke) geführten Brandenburger Umweltministerium hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Grund für die Warnung ist der durch den Braunkohleabbau steigende Sulfatgehalt in der Spree. Aus dem Fluss wird in Berlin durch Uferfiltration Trinkwasser gewonnen. Nach Ansicht der Brandenburger Umweltexperten hat „die Entwicklung der Sulfatkonzentration in der Spree entscheidenden Einfluss auf die Trinkwasserversorgungssicherheit der Versorgungsbereiche Lübbenau, Frankfurt/Oder und Berlin“.

Auch in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ist das Problem bekannt. Man sei gewarnt vor dem Hintergrund der Vattenfall-Pläne für die Erweiterung der Tagebaue im südbrandenburgischen Welzow und im sächsischen Nochten, sagte der stellvertretende Referatsleiter für Wasserwirtschaft, Matthias Rehfeld-Klein, dem Tagesspiegel. Bislang sei die Situation für Berlin nicht dramatisch.

Allerdings könnten nach einem neuen Gutachten unter bestimmten Bedingungen bis zum Jahr 2015 kurzfristig die Grenzwerte von 250 Milligramm Sulfat je Liter überschritten werden. Dieser Wert entspricht den Grenzwerten für Trinkwasser. Zu viel Sulfat im Trinkwasser führt zu Durchfall und Erbrechen.

Folgen hätte ein Überschreiten der Grenzwerte zunächst für das Wasserwerk Friedrichshagen. Dort müsste dann der Betrieb eingestellt werden, wie Referatsleiterin Birgit Fritz-Taute sagte. Derzeit lassen Umweltverwaltung und Berliner Wasserbetriebe von Gutachtern prüfen, welche Auswirkungen überhöhte Sulfatwerte für die Trinkwasserversorgung hätten. Nicht in jedem Fall würden auch im Trinkwasser die Grenzwerte überschritten, hieß es.

Dort, wo Tagebaugruben stillgelegt wurden, steigt das Grundwasser an und leitet Säure, Eisen und Sulfat in die Spree. Welches Ausmaß die Belastung mit Sulfat dann annimmt, weiß niemand. Die Situation gilt als schwer kontrollierbar. Auch aus aktiven Tagebauen gelangen die Stoffe über Sickerwasser in Flüsse. Experten und Umweltverbände rechnen damit, dass die Belastung in den kommenden Jahren zunimmt. Maßnahmen, um das Sulfat aus dem Wasser herauszufiltern, gibt es nach Angaben des Umweltministeriums und der Senatsverwaltung nicht.

Referatsleiterin Fritz-Taute ist seit dem gestrigen Dienstag bei einer dreitägigen Anhörung zu den Vattenfall-Plänen für den Tagebau Welzow-Süd in Cottbus. Bereits vor wenigen Wochen sagte sie: „Am meisten Sorgen machen mir die aktiven Tagebaue, die mit Sulfat belastete sogenannte Sümpfungswässer ableiten. Und es sollen ja weitere dazukommen.“

Auch vor Ort sind die Pläne umstritten. Vattenfall will ab 2027 den Tagebau Welzow-Süd erweitern und die dort vermuteten 200 Millionen Tonnen Braunkohle in Strom umwandeln. Mehr als die Hälfte des Kohlestroms aus Brandenburg wird exportiert – auch nach Berlin. Umweltverbände kritisieren, mit dem Festhalten an den Plänen und wegen des hohen Ausstoßes von Kohlendioxid seien die Klimaziele der Bundesregierung und auch Brandenburgs nicht zu erreichen.

Autor

11 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben