Temporärer Ausstellungsbau : Magnet Humboldt-Box

Der temporäre Ausstellungsbau zum Humboldt-Forum war anfangs kritisiert worden aufgrund seiner gewöhnungsbedürftigen Architektur. Trotzdem hat er mittlerweile schon 250 000 Besucher angezogen.

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Berlins temporäre Mitte: 28 Meter ist die Box hoch und bleibt bestehen bis zur Schloss-Eröffnung, theoretisch bis 2019.
Berlins temporäre Mitte: 28 Meter ist die Box hoch und bleibt bestehen bis zur Schloss-Eröffnung, theoretisch bis 2019.Foto: dpa

„Jetzt haben wir es bis in die ,New York Times’ geschafft, und danach rief tatsächlich jemand aus Amerika an und fragte, wann er mal vorbeikommen kann“. Dorothea Vogel, die Geschäftsführerin der Firma Megaposter, ist guter Dinge: Die Humboldt-Box auf dem Schlossplatz, von Megaposter für sieben Millionen Euro gebaut, ist seit ihrer Eröffnung am 1. Juli 2011 zu einem Anziehungspunkt geworden. Am Mittwoch wird der 250 000. Besucher in dem zunächst wegen seiner architektonischen Form etwas gewöhnungsbedürftigen Gebäude erwartet. Er wird vom regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit begrüßt werden.

Nun bildet der Bau die moderne Spitze im Dreieck von Box, Altem Museum und Berliner Dom, und doch ist dieses blaue futuristische Gebilde nur eine vorübergehende Erscheinung. Es bleibt, bis das Schloss eröffnet wird, also theoretisch bis 2019. Wann auch immer der erste Fanfarenstoß von der Eröffnung des neuen alten Schlosses kündet, hat es seine Aufgabe erfüllt: Das Schloss im Modell vorzuführen, Reklame für den Bau zu machen, die Sprengung von 1950 zu dokumentieren und dem Besucher einen Logenplatz zum Blick auf das Schloss-Areal und seine Umgebung anzubieten.

Die Humboldt-Box
06.07.2011: Volle Kiste. Sechs Tage ist die Humboldt-Box bereits geöffnet - und schon ein Publikumsrenner. Rund 12 000 Besucher waren bereits dort.
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1 von 20Foto: Doris Spiekermann-Klaas
06.07.2011 09:3806.07.2011: Volle Kiste. Sechs Tage ist die Humboldt-Box bereits geöffnet - und schon ein Publikumsrenner. Rund 12 000 Besucher...

Und der ist wohl das Spektakulärste hier: Eines Tages wird man auf dem Dach der Box in den Humboldt-Terrassen bei einer Tasse Kaffee sitzen und zuschauen, wie sich die Bagger in die Erde fressen, wie die Kräne rotieren und die Fassaden wachsen, bis sie die Box überragen. Aber schon heute, sagt Dorothea Vogel, sei die Box ein Erfolgsmodell. Die Gründe? Der Standort mit seiner Historie von der Monarchie bis zur heutigen grünen Wiese, auf der bis vor kurzem noch das größte Kulturhaus der DDR stand. Die Wissbegier, wie es weitergeht, ist groß. Erst kamen die Berliner in Scharen zur Box, dann haben die Touristen die führende Rolle übernommen.

Schulklassen haben die Box längst entdeckt, „echt cool!“ oder „diese Aussicht ist der Hamma“ notieren sie nach dem Besuch des Cafés in einem Gästebuch voller Lobeshymnen auf diesen „Botschafter für ein Jahrhundertprojekt“. Alfred G. Lottenbach aus Zürich füllt eine ganze Seite: „Vor 21 Jahren stand ich vor dem Palast der Republik. Damals behauptete mein Freund, das Schloss werde rekonstruiert. Ich konnte das fast nicht glauben. Und heute? Als Schweizer und Heimweh-Berliner freue ich mich auf das Humboldt-Forum. Respekt vor dieser großen Leistung!“ An einer Wand steht ein schöner Satz Alexander von Humboldts: „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“.

Der Sinn dieser Box ist, die Befürwortung des immens teuren Schloss-Projekts mit seinem noch etwas unausgegorenen Inhalt, Weltkunst und -Wissenschaft auszustellen, zu fördern. Das gelingt immer besser, meint Fritz Fuhrmann, der als Mitglied vom Förderverein Berliner Schloss den Besuchern das Modell der Innenstadt erklärt. Fuhrmann erläutert seine Box so: Im Sommer 2011 tat sich der Himmel auf, ein Ufo senkte sich herab, acht Jahre später erhebt sich das Ufo wieder, fliegt weg und hinterlässt ein Schloss. „Und wir sind das Ufo.“

Auch Wilhelm von Boddien als Chef des Fördervereins liebt bildhafte Vergleiche. Die Box sei „ein riesiges Ausrufezeichen“, dass der Start zum Wiederaufbau unmittelbar bevorstehe, und das große Stadtmodell im ersten Geschoss sei „wie ein Fliegenfänger“, der die Leute nicht nur anzieht wie die Motten das Licht, sondern der offenkundig auch die Portemonnaies der Besucher öffnet: Der Spendenautomat registrierte bislang die Summe von 350 000 Euro.