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Ticketverkauf für Filmfestspiele startet : Mit dem Schlafsack zur Berlinale

Wer zur Berlinale will, sollte Frühaufsteher sein: An den Vorverkaufsstellen der Filmfestspiele warteten am frühen Montagmorgen schon viele Fans.

Alles bereit. Echte Filmfans stehen früh auf.
Alles bereit. Echte Filmfans stehen früh auf.Foto: Reuters

In einer Viertelstunde geht es los. Der Moment, für den rund 250 Berlinale-Begeisterte auf dem roten Teppich der Potsdamer Platz Arkaden ausgeharrt haben: Der Vorverkauf der ersten Berlinale-Tickets beginnt. Menschen, die vor den Ticketschaltern übernachtet haben, verstauen ihre Schlafsäcke, andere blättern hektisch das Programmheft durch. Wieder andere, weiter hinten in der Schlange, rücken ihren Klappstuhl noch ein kleines Stück weiter nach vorne und schlagen Buch oder Laptop wieder auf.

Und dann passiert es, die Jalousien öffnen sich und an den drei Tickethäuschen beginnt der Kartenverkauf. Jeremy (25) gehört zum harten Kern, er hat hier geschlafen. Bereits zehn Stunden wartet er darauf, endlich Karten für „The Dinner“ und „Félicité“ in seinen Händen zu halten. Für den Filmstudenten gehört die Berlinale nun zum dritten Mal mit zum Jahresprogramm.

"Die Berlinale ist meine fünfte Jahreszeit"

Eine lange Liste mit 12 Filmen. Sorgfältig sind Titel, Ticketanzahl und Beschreibung aufgelistet. Katrin steht verhältnismäßig kurz an, doch weit vorne, an fünfter Stelle. Mit sechs Freunden besucht sie die Berlinale, der Kauf der Karten ist akribisch durchgeplant und aufgeteilt. Eine Freundin hielt früh morgens Stellung in der Schlange, bis Katrin sie um acht ablöste. Eine andere sitzt zu Hause am Computer und kauft gleichzeitig Tickets. Für eine Vorstellung können nämlich immer nur zwei Karten auf einmal erworben werden, „wenn man zu sechst gehen möchte, muss man das geschickt angehen“, sagt Katrin.

Beim Warten hat sie Monika (69) kennengelernt. Auch sie geht wie Katrin schon seit über 30 Jahren zur Berlinale, damals noch ins Europa-Center. „Die Berlinale ist meine fünfte Jahreszeit“, sagt sie. Am meisten gespannt sind beide auf „Django“, den Eröffnungsfilm. Ein bisschen Bammel, dass sie dafür keine Tickets mehr bekommen, haben sie. Wenn das der Fall ist, kommen sie am Nachmittag wieder. Erfahrungsgemäß haben dann andere, die vielleicht vom Arbeitgeber doch nicht frei bekommen, Karten wieder zurückgegeben.

"Für die Berlinale macht man das gerne"

Auch Julius (27) gehört zu den Frühaufstehern. Er steht seit 4:30 Uhr in der Schlange, das macht er jetzt schon das siebte Jahr. Für ihn hat es sich gelohnt: Er hält einen Stapel Tickets in der Hand. Auch in den kommenden Tagen wird er wieder früh aufstehen, um Karten zu kaufen. „Für die Berlinale macht man das gerne. Man bekommt die Chance, Filme zu sehen, für die es sonst keine so große Plattform gibt“, sagt Julius. “Im letzten Jahr gab es beispielsweise einen sechsstündigen Film über die Philippinen." Er ist Kunsthistoriker und interessiert sich besonders für Werke rund um Kunst und Historie — unter anderem arbeitet er wissenschaftlich dazu, wie man Geschichte filmisch darstellen kann. 

Auch deshalb ist einer seiner Lieblingsmomente auf der Berlinale die Fragerunde nach der Filmvorführung. Durchschnittlich schaut er 30 Filme, sein Rekord sind 41. Um den Überblick zu behalten, macht er sich Notizen. "Spell real", "Boys" und "1984", so vermutet er, werden dieses Jahr seine Höhepunkte sein. Bis zum 19. Februar können Filmfans immer ab drei Tagen vor Filmstart Tickets kaufen – da wird noch der ein oder andere in den nächsten Tagen sehr früh aufstehen müssen, um seinen Wunschfilm auf der großen Leinwand sehen zu können.

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