Tierpflege : Die Hundenanny

Sandra Schulze betreut Vierbeiner, wenn Herrchen oder Frauchen keine Zeit für die Tiere haben.

River Tucker

Mit ihrem Job hätte Sandra Schulze wohl das Zeug für eine neue TV-Dokusoap. „Die Hundenanny“ könnte die Sendung heißen. Denn wenn Herrchen und Frauchen keine Zeit für ihre Hunde haben oder mit ihnen überfordert sind, helfen immer öfter professionelle Hundesitter – und Sandra Schulze ist eine von ihnen.

„Sandras Tierbetreuung“ ist ein Hundekindergarten in Französisch-Buchholz. Vor zwei Jahren machte sich die 24-Jährige selbstständig. In ihrem Einfamilienhaus, in der Postsiedlung, betreut die junge Frau seither Hunde, deren Besitzer tagsüber arbeiten, Probleme mit der Erziehung haben oder verreist sind. Wie in einem richtigen Kindergarten können die „Einzelkinder“ hier mit anderen spielen. Sandra Schulze spricht deshalb auch nicht von Hundehaltern, sondern von „Mama“ und „Papa“.

Morgens um sieben beginnt der Arbeitstag. Dann fährt die Hundenanny durch den Norden Berlins und holt die Hunde ab. Im Kleinbus gilt Anschnallpflicht, es gibt Hundegurte. 15 Euro kostet die Betreuung am Tag, plus Mehrwertsteuer. „Reich wird man damit nicht, aber das war auch nicht der Plan. Ich habe mir damit einen Traum erfüllt“, erzählt die gelernte Hotelfachfrau. „Man lernt immer wieder dazu. Jeder Hund ist anders“, erzählt die 24-Jährige. Außerdem sei sie gerne an der frischen Luft. Drei bis vier Stunden am Tag geht sie mit den Hunden spazieren, egal bei welchem Wetter. Schon als Jugendliche hat sie mit einer Freundin die Hunde der Nachbarn ausgeführt. Daraus entwickelte sich nach der Ausbildung die Idee für die Tierbetreuung. Auch um Katzen, Vögel und andere Haustiere kümmert sie sich, aber nur in den Wohnungen der Besitzer.

Insgesamt hundert Hunde sind bei „Sandras Tierbetreuung“ registriert, davon kommen 15 Tageshunde regelmäßig. Einer davon ist Willy, ein Schäferhund-Mischling. Bevor er nach Berlin kam, lebte Willy als Straßenhund in Spanien. Willy verhält sich noch immer wie der Anführer einer Straßengang. Der Rüde hat seine Ohren und Nase überall. „Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter“, sagt Sandra Schulze. Wenn sie mit ihren Praktikantinnen zusammensitzt, geben sie den Hunden menschliche Charaktereigenschaften: Die Dackel-Dame hat „Prinzessinnenallüren“, der Schäferhund nervt mit seinem „Prollgehabe“.

Sieben bis zehn Hunde betreut die Hundenanny am Tag. Im Auslaufgebiet bedeutet das ständiges Durchzählen. Auch im Haus dreht sich alles um die Hunde, trotz 600 Quadratmeter Garten bleiben die Tiere in der Nähe der Menschen. Mittags werden die Welpen ins Bett gebracht, dafür hat Sandra Schulze extra einen Hunderaum mit einem Himmelbett eingerichtet.

Wenn Sandra Schulze die Tageshunde abends wieder nach Hause bringt und die Urlaubsgäste versorgt sind, endet für sie oft ein Vierzehn-Stunden-Tag. Für Pausen bleibt wenig Zeit, auch das Privatleben steht hinten an. Ein Abend im Kino oder ein bisschen Nachtleben ist nur selten drin. „Aber mein Freund ist auch selbstständig, deshalb hat er Verständnis“, erzählt sie. Immerhin ist ihr Zimmer unterm Dach hundefreie Zone im Haus – ein eigenes Tier hat Sandra Schulze nämlich nicht. River Tucker

„Sandras Tierbetreuung“, Zitherstr. 8, Französisch Buchholz, Tel.: 96 08 48 34

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