Tod im Haftkrankenhaus in Berlin : Darkroom-Mörder nimmt sich das Leben

Dirk P. hat drei Männer mit K.-o.-Tropfen getötet, zwei davon im Darkroom, einer Schwulenbar. Seit seiner Festnahme im Mai 2012 galt er als extrem selbstmordgefährdet - wurde deshalb in der Haftklinik überwacht. Doch jetzt nahm er sich das Leben. Nun wird der Fall ein Thema im Rechtsausschuss.

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Klinik hinter Gittern. Das Justizvollzugskrankenhaus in Berlin-Plötzensee.
Klinik hinter Gittern. Das Justizvollzugskrankenhaus in Berlin-Plötzensee.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der so genannte Darkroom-Mörder ist tot. Dirk P. nahm sich in der Nacht zu Sonnabend im Haftkrankenhaus das Leben. Kurz vor Mitternacht wurde der Dreifachmörder gefunden. Die Polizei leitete ein Todesermittlungsverfahren ein. P. war im Juni 2013 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, zudem war die besondere Schwere der Schuld festgestellt worden. Dies hätte eine Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren im ausgeschlossen, der 39-Jährige musste mit mindestens 25 Jahren Haft rechnen. Das Urteil war gerade rechtskräftig geworden. 

P. hatte in Berlin drei  Männer mit giftigen K.-o.-Tropfen getötet, zwei davon im Darkroom einer Schwulenbar. Ein weiterer Mann überlebte knapp. Die Verbrechen geschahen innerhalb weniger Tage. Das Gericht hatte als Hauptmotiv auf Habgier erkannt, auch wenn die Beute insgesamt nur 500 Euro betrug. Richter Peter Schuster hatte beim Urteil aber zudem gesagt: „Er wollte auch die totale Macht über andere spüren und sich daran ergötzen.“

Dirk P. stammt aus dem Saarland, war zum Studieren nach Berlin gekommen. In den Monaten vor der Tat hatte er in Brandenburg in einer Grundschule als Referendar gearbeitet. Ursprünglich hatte er Krankenpfleger gelernt, kannte also die tödliche Wirkung von K.-o.-Tropfen. Vorbestraft war er bis zur Mordserie nicht.

Ärzte hatten eine Besserung erkannt

P. galt nach der Festnahme im Mai 2012 als extrem selbstmordgefährdet, deshalb war er schon während der Untersuchungshaft im Haftkrankenhaus untergebracht. Dort ist er zum Teil rund um die Uhr von Pflegern überwacht worden – eine sehr selten angeordnete Sicherung. Schon bis zum Prozess hatte er mehrere Selbstmordversuche überlebt. Zuletzt hatten die Ärzte eine Besserung erkannt. Er war von den Ärzten mit Psychopharmaka behandelt worden. Dem Vernehmen nach sollte P. demnächst in den normalen Vollzug der JVA Tegel verlegt werden.

Der Fall wird nun Thema im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses

Am heutigen Mittwoch will Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) den Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses über den Fall informieren. Dirk P. ist der zweite Gefangene in diesem Jahr, der sich selbst tötete, zudem gab es sechs Versuche. Ende 2006 hatte die damalige Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) nach zehn Suiziden in dem Jahr  angeordnet, dass Selbstmorde künftig verschwiegen werden sollen. Zuvor hatte die Justiz zu jedem  Fall eine Meldung veröffentlicht. Die Entscheidung war von den damaligen Oppositionsparteien CDU und Grüne und von Gefangenen heftig kritisiert worden, sie hatten der Justiz Vertuschung vorgeworfen. Der grüne Abgeordnete Dirk Behrendt hatte anschließend monatlich eine parlamentarische Anfrage nach Todesfällen im Gefängnis gestellt. Meist waren sie ohnehin durch Berichte von Mitgefangenen publik geworden.

Heilmann hatte die Entscheidung von der Aues nicht rückgängig gemacht, allerdings informiert der Senator regelmäßig im Rechtsausschuss über Todesfälle. Behrendt sagte am Dienstag, dass er von Heilmann einen genauen Bericht erwartet, ob tatsächlich alles gemacht wurde, um den Suizid des Serienmörders zu verhindern: „Das werden wir uns genau ansehen.“ 2009 hatte Justizsenatorin von der Aue festgestellt: „Wenn jemand ernsthaft vorhat, sich das Leben zu nehmen, nützt auch die beste Prophylaxe nichts.“

Die Justiz hatte wegen der vielen Suizide 2006 hinter Gittern Studien erstellen lassen, wie die Zahl verringert werden kann. 2009 hatte es noch einmal neun Suizide in den Haftanstalten gegeben, seitdem ist die Zahl etwas zurückgegangen.

 

 

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