Toter Säugling in Berlin-Lichtenberg : Gentest in Flüchtlingsunterkunft

Nach dem Fund einer Babyleiche in Lichtenberg wertet die Polizei Speichelproben aus - auch schon bei Zehnjährigen. Die Ergebnisse werden aber erst nach Ostern vorliegen.

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Am Fundort: Kriminaltechniker untersuchen auf diesem Foto vom 8. März die Parkanlage an der Ruschestraße, in der ein Spaziergänger eine Babyleiche gefunden hatte.
Am Fundort: Kriminaltechniker untersuchen auf diesem Foto vom 8. März die Parkanlage an der Ruschestraße, in der ein Spaziergänger...Foto: dpa

Die Polizei sucht weiter nach der Mutter des vor zehn Tagen in Lichtenberg entdeckten toten Babys. Am Donnerstag nahm sie Speichelproben bei Hunderten Frauen in einer Flüchtlingsunterkunft.

"Es gab sehr viel Verständnis für den Gentest", sagte eine Polizeisprecherin. Die Mordkommission hatte sich nach dem Einsatz eines so genannten Mantrailer-Hundes zu der Aktion entschlossen. Das auf Personensuche trainierte Tier hatte die Beamten am Tag, nachdem das tote Baby entdeckt worden war, vom Fundort in einer Grünanlage an der Ruschestraße direkt zur ehemaligen Stasi-Zentrale geführt. Hier sind seit einiger Zeit fast tausend Flüchtlinge untergebracht. Nachdem ein entsprechender richterlicher Beschluss vorlag, setzte die Mordkommission einen Massengentest an: Mehr als 300 Speichelproben von Bewohnerinnen des Hauses wurden von Donnerstagmorgen bis zum frühen Abend genommen.

Bewohner zeigten viel Verständnis

Die Teilnahme war freiwillig, hieß es. Die Bewohnerinnen, das Personal und die Heimleitung hätten sich aber sehr kooperativ und verständnisvoll gezeigt. Insgesamt habe man allerdings Proben von etwa 400 Frauen im Alter zwischen zehn und 55 nehmen wollen, um Übereinstimmungen mit der DNA des toten Säuglings zu ermitteln. Man werde in den nächsten Tagen die noch ausstehenden Proben nachholen. Mit Ergebnissen der Tests sei aber erst nach Ostern zu rechnen.

16 Hinweise auf Handtücher und Personen

Parallel dazu laufen die Ermittlungen aber auch in alle anderen Richtungen weiter, sagte die Sprecherin. Bis zum Freitag seien 16 Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingegangen, die sich vor allem auf die Handtücher, in die das tote Kind gewickelt war, bezogen, als auch auf verdächtige Personen.

Ermittlungen gehen in alle Richtungen

Wie berichtet, war das tote Baby am Dienstagnachmittag vor eineinhalb Wochen gegen 15 Uhr auf einem ehemaligen Friedhof an der Ruschestraße von einem Passanten entdeckt worden. Der Fundort ist nur wenige hundert Meter von der Frankfurter Allee und der ehemaligen Stasi-Zentrale entfernt. Der Passant hatte eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife angehalten, nachdem er den grausigen Fund gemacht hatte. Die weibliche Babyleiche lag in einem Gestrüpp abseits des Mittelweges. Der Säugling war den Ermittlungen zufolge keines natürlichen Todes gestorben.

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