Unwetter in Deutschland : Sturmtief „Thomas“ sorgt vor allem im Westen für Chaos

Umgestürzte Bäume, lahmgelegte Züge, geschlossene Parks und von Böen erfasste Kleinlastwagen: Sturmtief „Thomas“ hat besonders dem Westen Deutschlands zugesetzt.

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Ein Baum liegt am 23.02.2017 auf einen einfahrenden ICE vor dem Bahnhof Steinbeck in Wuppertal.
Ein Baum liegt am 23.02.2017 auf einen einfahrenden ICE vor dem Bahnhof Steinbeck in Wuppertal.Foto: dpa

Der Sturm zieht über Deutschland hinweg, der Nordosten kam aber - anders als der Westen - offenbar relativ glimpflich davon. Auf der Autobahn A10 bei Königs Wusterhausen wurde ein Kleinlaster von einer Böe erfasst und gegen die Leitplanke gedrückt. Das Fahrzeug kippte um.

Schlossparks in Berlin und Brandenburg bleiben geschlossen

Wegen des erwarteten Sturms bleiben die Anlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten an diesem Freitag vorsorglich geschlossen. Anlass sei die aktuelle Unwetterwarnung, teilte die Stiftung am Donnerstag mit. Auch in den kommenden Tagen könnte es wegen möglicher Schäden und Aufräumarbeiten zu Einschränkungen kommen. Zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gehören etwa Schloss Sanssouci in Potsdam und Schloss Charlottenburg in Berlin.

Der Meteorologe Friedrich Föst von Meteogroup sagt, dass der Sonnabend in Berlin überwiegend freundlich werden soll. Zum Sonntag und besonders zum Start der neuen Woche sollen dann die Temperaturen auch wieder ordentlich steigen. "Am Rosenmontag erwarten wir für Berlin Temperaturen von 12 bis 14 Grad", sagt Föst.

Unwetterwarnungen aufgehoben

Mit heftigen Sturmböen ist Sturmtief „Thomas“ am Donnerstagabend vor allem über den Westen Deutschlands hinweggefegt - der Wind ließ jedoch im Laufe der Nacht nach. Der Deutsche Wetterdienst hob in der Nacht zum Freitag alle Unwetterwarnungen für das Flachland auf. Nur noch in den Hochlagen bestehe Gefahr von orkanartigen Böen, sagte ein Meteorologe des Wetterdienstes. Am Abend hatte der Sturm für gestiegene Flusspegel, entwurzelte Bäume und lahmgelegte Bahnstrecken gesorgt.

Verletzte in Baden-Württemberg

Beim Einsturz eines Podiums bei einer Fastnachtsveranstaltung im baden-württembergischen Dornhan wurden drei Frauen und eine Neunjährige verletzt. Auf der Autobahn 45 in Hessen schob eine starke Windböe einen Lastwagen gegen die Mittelleitplanke, wie ein Polizeisprecher in Gießen sagte. Der Fahrer blieb unverletzt.

70 Fahrgäste steckten im ICE fest

Probleme gab es auch am Wuppertaler Hauptbahnhof, wie eine Bahnsprecherin sagte. Kurz vor dem Bahnhof stürzte ein Baum auf die Oberleitung und auf einen ICE. Die rund 70 Fahrgäste wurden aus dem Zug gebracht. Der liegengebliebene ICE verursachte weitere Verspätungen anderer Züge. Bei Aachen stürzte ein Baum auf einen Thalys-Zug. In Bremen stürzte bereits am Nachmittag ein sieben Meter hoher Baum auf einen stehenden Zug. Verletzt wurde dabei niemand, teilte die Feuerwehr mit. In dem Zug saßen etwa 50 Reisende.

Sperrungen überall im Land, auch in Schleswig-Holstein

Am Dortmunder Bahnhof und auf mehreren Strecken in Nordrhein-Westfalen konnten zwischenzeitlich keine Züge fahren. Sperrungen gab es auch in Niedersachsen, Baden-Württemberg Schleswig-Holstein, die alle in der Nacht wieder aufgehoben wurden. Lediglich nahe Frankfurt am Main bleibt die Strecke zwischen Niedernhausen und Idstein auch am Freitagvormittag gesperrt, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Nach seinen Angaben gab es am späten Donnerstagabend zwar keine großen Zwischenfälle, aber eine beträchtliche Summe kleinerer Störungen.

150 Einsätze in Köln

In Köln, wo die Rettungskräfte ohnehin wegen der Karnevalsfeiern im Großeinsatz waren, zählte die Feuerwehr am Abend bereits mehr als 150 Einsätze. Ein Autofahrer wurde dadurch schwer verletzt, dass ein im Sturm umgeknickter Baum auf seinen Wagen stürzte. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, wie die Feuerwehr mitteilte. Der etwa 25 Meter hohe Baum demolierte noch zwei weitere Fahrzeuge.

Karnevalsparty abgesagt

In Bonn wurde wegen der Sturmwarnung eine Karnevalsparty auf dem zentralen Münsterplatz abgesagt. In Düsseldorf beendeten die Karnevalisten wegen des schlechten Wetters ihr Bühnenprogramm zu Altweiber vorzeitig. Für den Rosenmontag sagt der Deutsche Wetterdienst eine entspanntere Lage mit etwas Regen voraus. Mit einem Sturm wie im vergangenen Jahr wird nicht gerechnet.

Unfall bei Landung in Schiphol

Glimpflicher Ausgang einer harten Landung bei Sturm: Am Amsterdamer Flughafen Schiphol ist eine Passagiermaschine mit 59 Insassen an Bord nur knapp einem schweren Unfall entgangen, als sie von Böen durchgeschüttelt krachend auf der Piste aufsetzte. Die Maschine der britischen Gesellschaft Flybe aus Edinburgh hatte nach Angaben eines Flughafensprechers wegen des Sturms schon im Anflug Probleme, der harte Aufprall ließ dann das Fahrgestell zusammenbrechen. Bei der Bruchlandung wurde jedoch niemand verletzt.
Wegen starken Sturms mit Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern mussten in Schiphol rund einhundert Flüge gestrichen werden, 60 Prozent aller Flüge hatten Verspätungen. In den ganzen Niederlanden war der Verkehr stark beeinträchtigt, Lastwagen kippten um, entwurzelte Bäume blockierten Straßen. Bis zum frühen Freitagmorgen galt eine Unwetterwarnung.
Auf der Bahnstrecke zwischen Neumünster und Bad Segeberg ist ein Zug der Nordbahn gegen einen umgestürzten Baum gefahren. 51 Fahrgäste seien an Bord gewesen, niemand sei verletzt worden, teilte die Polizei mit. Beamte der Bundespolizei und der Landespolizei brachten die Fahrgäste aus dem Zug - sie wurden mit einem Bus weitergefahren, wie die Polizei mitteilte. - mit dpa, AFP, PNN


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