Vergewaltigung : Obdachlose Frauen sind gefährdeter

Die 33-jährige Obdachlose, die am Wochenende von zwei Männern brutal vergewaltigt worden war, wäre beinahe gestorben. Beratungsstelle empfiehlt Frauen, in Notunterkünfte zu gehen.

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Sie ist mittlerweile außer Lebensgefahr: Doch die Vergewaltigung der 33-jährigen Obdachlosen in der Nacht zu Sonntag in Moabit hätte auch tödlich enden können. Nach Tagesspiegel-Informationen haben die beiden tatverdächtigen Männer – ebenfalls ohne festen Wohnsitz – die Frau nicht nur heftig geschlagen und getreten, sondern auch vehement gewürgt. „Sie hätte daran sterben können, wenn nicht der Zeuge noch rechtzeitig Schreie gehört und die Polizei gerufen hätte“, sagte ein Ermittler. Das Opfer befindet sich weiterhin im Krankenhaus.

Die Obdachlose hatte sich am späten Abend in das leer stehende und von Wohnungslosen genutzte Haus in der Rostocker Straße zurückgezogen und sich in einem der Räume zum Schlafen hingelegt. Der 39-jährige Litauer und der 36-jährige Lette seien dann über die Frau hergefallen. Die alarmierten Polizisten konnten die Verdächtigen noch in dem Raum festnehmen. Gegen sie erging Haftbefehl.

Obdachlose Frauen hätten ein extrem großes Risiko, Opfer von Gewalt und Sexualstraftaten zu werden, sagt Eva-Maria Heise von der Frauen-Notübernachtung der Gebewo in der Tieckstraße in Mitte. Dies ist das einzige ganzjährige niedrigschwellige Wohnungslosenangebot explizit für Frauen. Es gibt dort acht Plätze – bei schätzungsweise 2500 obdachlosen Frauen in der Stadt. „Die meisten Angebote sind für den männlichen Bedarf ausgelegt“, sagt Heise. Somit seien Frauen, die auf der Straße leben, zumeist darauf angewiesen, in gemischt-geschlechtlichen Unterkünften zu übernachten. Die Hemmschwelle sei sehr hoch, Übergriffe bei der Polizei anzuzeigen: Aus Scham, aber auch, weil sie den Behörden aufgrund ihrer Lebensbiografie derart misstrauen, dass sie gar nicht mehr in der Lage seien, Hilfe anzunehmen.

Diese Erfahrung bestätigt auch Berlins Opferbeauftragter Roland Weber. „Verfahren werden bei den Schwächsten in der Gesellschaft häufig eingestellt“, erzählt er. „Man nimmt ihre Aussagen nicht so ernst, weil sie häufig alkohol- oder psychisch krank sind.“

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