Verkehr in Berlin : Die U7 könnte zum BER verlängert werden - irgendwann

Falls er mal eröffnet wird, wird der BER von Berlin aus nur schwer zu erreichen sein. In der BVG kursieren Pläne, die U7 zu verlängern – als Hochbahn mit Terminalanschluss.

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An manchen Orten fährt die U-Bahn in Berlin schon über der Erde. Vielleicht tut sich bald noch mehr.
An manchen Orten fährt die U-Bahn in Berlin schon über der Erde. Vielleicht tut sich bald noch mehr.Foto: IMAGO

Vergeht viel Zeit, kommen neue Ideen: Die schon als erledigt eingestufte Verlängerung der U-Bahn-Linie U 7 von Rudow zum BER in Schönefeld könnte eine neue Chance bekommen. In der BVG hat man nach Tagesspiegel-Informationen intern einen Plan entwickelt, wie die U-Bahn doch noch den Flughafen erreichen kann: kostengünstig als Hochbahn. Pläne, sie unterirdisch zum BER zu führen, waren bisher vor allem wegen der Kosten als unrealistisch bezeichnet worden. BVG-Sprecherin Petra Reetz dämpfte aber gleich Hoffnungen der U-Bahn-Fans: Eine offizielle Planung dazu gebe es nicht.

Die Trasse bis zum bisherigen Terminal in Schönefeld ist seit Jahren frei gehalten worden; bauen durfte man auf ihr nicht. Auf Berliner Gebiet könnte ein Tunnel – oder auch eine Einschnittsbahn wie bei der U 3 in Zehlendorf – relativ einfach gebaut werden. Auf Brandenburger Gebiet müsste man sich mit einer Entscheidung sputen, denn dort gibt es Pläne, auf die frei gehaltene Trasse der U-Bahn einen Hochleitungsmast zu stellen.

Ein unterirdischer Weiterbau bis zum BER wäre enorm teuer, weil es beim Terminal-Bau keine Vorleistung für einen U-Bahnhof in der Tiefe gegeben hat. Und die Station müsste weit nach unten in die Erde, was die Kosten weit in die Höhe treiben würde. Sie müsste die nördliche Startbahn des Flughafens und auch die im Tunnel liegende Ost-West-Strecke der Bahn unterqueren.

Die U-Bahn nach Hönow - ein Fall für den Denkmalschutz
U-Bahnhof Hönow, tief im Osten Berlins, nur wenige Meter entfernt von Brandenburg.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Kai-Uwe Heinrich
30.03.2017 07:08U-Bahnhof Hönow, tief im Osten Berlins, nur wenige Meter entfernt von Brandenburg.

Mehr als 150.000 potentielle Nutzer gäbe es für eine durchgehende U-Bahn

Die neuen Überlegungen sehen deshalb vor, die U-Bahn im Flughafen-Bereich weitgehend als Hochbahn fahren zu lassen, wie die erste Berliner U-Bahn-Strecke vom heutigen Bahnhof Warschauer Straße Richtung Zoo und Potsdamer Platz, die 1902 weitgehend als Hochbahn entstanden war. Statt der Stahlkonstruktion würde man heute aber auf Beton zurückgreifen. Mit der U 6 in Reinickendorf, die in den 1950er Jahren entstanden ist, gibt es auch hier bereits ein Vorbild.

Nach den neuen Vorstellungen würde sich die U-Bahn-Trasse nach dem Unterqueren der Bahnanlagen und der Bundesstraße B 96a langsam in die Höhe schrauben und sich entlang der vorhandenen Zufahrtsstraße zum Flughafen schlängeln. Über dem Willy-Brandt-Platz vor dem Terminal könnte dann der Endbahnhof entstehen; die Wege zu den Schaltern wären nicht mehr weit.

Eine durchgehende U-Bahn würde für zehntausende Berliner und Besucher der Stadt eine umsteigefreie Verbindung schaffen. Die Rede ist von mehr als 150.000 potenziellen Nutzern. Von der Schnellverbindung mit der U-Bahn könnten Bewohner bis nach Wilmersdorf profitieren.

Beim Fahrgastverband Igeb hält man von den Plänen nicht viel

Beim Entwickeln der Pläne für den BER-Anschluss war die U 7 aufs Abstellgleis geraten. Die „Macher“ hielten den Anschluss mit der Regional- und der U-Bahn für ausreichend. Und die BVG wollte damals nicht weiterbauen, weil sie befürchtete, die mit 31,8 Kilometern schon jetzt längste Linie in ihrem Netz würde dann noch verspätungsanfälliger. Inzwischen ändert sich die Haltung dazu in der BVG. Auch die Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat schon mehrfach gefordert, die U 7 bis zum BER zu verlängern.

Von hübsch bis hässlich: Berlins U-Bahnhöfe
U-Bahnhof Lindauer Allee - Foto: Alexander RentschWeitere Bilder anzeigen
1 von 82Alexander Rentsch
30.03.2017 08:35U-Bahnhof Lindauer Allee - Foto: Alexander Rentsch

Ihre Genossen in der rot-rot-grünen Koalition haben allerdings vereinbart, in dieser Legislaturperiode keine Planungen für neue U-Bahn-Strecken zu beginnen. Langfristig hat der Grünen-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner weitere U-Bahn-Bauten aber nicht ausgeschlossen. Die Projekte würden in den Stadtentwicklungsplan Verkehr aufgenommen.

Nicht viel von den U-Bahn-Plänen hält Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb. Am BER gebe es sicher Probleme mit der Anbindung, weil man sich auf der Schiene auf die Verbindung vom Hauptbahnhof zum BER konzentrieren wolle. Statt auf die als Hochbahn geführte U-Bahn zu setzen, sollte die Verbindung mit der S-Bahn ausgebaut werden, damit die Bahnen alle fünf statt wie vorgesehen alle zehn Minuten zum Flughafen fahren könnten. Das Investieren ins vorhandene Netz sei sinnvoller als der langwierige Bau neuer Strecken.

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