Bahnhofshalle Ostkreuz : Schluss mit rostig

Die neue Bahnhofshalle am Ostkreuz ist fast fertig. Bis zur Eröffnung Mitte April gibt es aber noch viel zu tun - deshalb wird das Gleis der Ringbahn ab Freitagabend komplett gesperrt.

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Erste S-Bahnen in der Ringbahnhalle am Ostkreuz: Hell erleuchtet ist am Montagmorgen (16.04.2012) in Berlin die die neue Ringbahnhalle am Ostkreuz. Die 15 Meter hohe und 132 Meter lange Halle wurde damit offiziell in Betrieb genommen.Weitere Bilder anzeigen
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28.03.2012 17:28Erste S-Bahnen in der Ringbahnhalle am Ostkreuz: Hell erleuchtet ist am Montagmorgen (16.04.2012) in Berlin die die neue...

„Also, hier die Treppen hoch, dann links, dann rechts, dann wieder runter und da drüben wieder ruff“. Der S-Bahner, der uns auf dem Bahnhof Ostkreuz den Weg durchs Baulabyrinth weist, rudert wild mit den Armen. Er hat seinen Spruch heute vielleicht schon 200 Mal gesagt, dafür steht er hier, lächelt und tröstet den verehrten Fahrgast: „Is nu mal so uffe Baustelle“. Wir möchten vom stadtauswärts führenden Bahnsteig eine Etage höher zur Ringbahn. Ich zähle: 27 durchlöcherte Metallstufen rauf, 27 wieder runter, 150 Schritte und dann noch einmal 41 Stufen, bis man atemlos an den Gleisen 11 und 12 angekommen ist. Es zieht wie Hechtsuppe. Der Wind wirbelt den Sand auf, der rings um das zerwühlte Gleisbett in kleinen und großen Haufen verteilt ist. Metallsägen kreischen, Funken fliegen um Schweißers Ohren wie wild gewordene Glühwürmchen, Kipper rollen zwischen den Gleisen. Und wieder versucht der Zugabfertiger mit der roten Mütze, einer keuchenden Frau, die ihren Rollkoffer über die Treppen bugsiert, die Schwierigkeiten beim Umbau eines kompletten Bahnhofs nahezubringen. „Is det nich große Scheiße für jeden, der sich hier abquälen muss?“, ruft die ältere Dame der S-Bahn ins Gesicht, aber die hat längst auf jede Frage eine Antwort: „Scheiße? Ach nee, da rutschen se doch bloß aus, und det wolln wa nich“.

Manch Nervenstrang leidet zwischen Ring- und Stadtbahn, aber die meisten Fahrgäste tragen den Totalumbau des S-Bahnhofs Ostkreuz mit Fassung. „Es gibt Schlimmeres“, sagt ein älterer Werktätiger, der von Friedrichshagen nach Schöneweide muss, „wollen wir doch froh sein, dass aus dem ollen Rostkreuz endlich ein Ostkreuz wird!“.

Das Ostkreuz - eine Zeitreise in Bildern:

Ostkreuz - eine kleine Zeitreise
Immer wieder das Ostkreuz: An Berlins größtem Umsteigebahnhof machen sich Zugausfälle und Verspätungen besonders stark bemerkbar. Wagen und Bahnsteige sind dann brechend voll.Weitere Bilder anzeigen
1 von 68Foto: dapd
01.06.2012 07:51Immer wieder das Ostkreuz: An Berlins größtem Umsteigebahnhof machen sich Zugausfälle und Verspätungen besonders stark bemerkbar....

1882, also vor 130 Jahren, wurde der Bahnhof mit dem langen Namen Stralau-Rummelsburg eröffnet und 1933 in Ostkreuz umbenannt. Heute, schätzt die Bahn, benutzen diesen genial angelegten Knoten mit dem Verkehr rings um die Stadt, in sie hinein und aus ihr heraus bis zu 140 000 Menschen, die, so lange man denken kann, voll belegte Kinderwagen, Fahrräder, Kisten und Koffer die Treppen auf und ab schleppen. Die Steinstufen waren zuletzt brüchig, abgewetzt und ausgetreten wie in Pompeji. In der DDR hatte man irgendwann erkannt, dass der Umbau zwar notwendig sei, aber alle Voraussetzungen für diese Herkulesaufgabe fehlen. So hat sich niemand ans Ostkreuz getraut. Die Bahnsteige waren eng und geradezu antik mit ihren Säulen, irgendwann wurde die Nord- und Südkurve geschlossen, und es glich stets einem Spiel mit dem Zufall, wenn man auf dem oberen Bahnhof stand, welcher Zug denn nun unten zuerst in die Stadt fährt, der auf dem rechten oder linken Gleis. Dann rannte plötzlich alles los, es war wie im Kino bei den „Ferien des Monsieur Hulot“.

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