Berlin : Vom Großflughafen abgekoppelt

Nah dran, aber weit weg: Städte und Gemeinden südwestlich Berlins sollen ohne Zugverbindung zum neuen Airport bleiben.

Thomas Lähns

Potsdam - Für Peter Pilling ist die neue Regionalbahnlinie 23 von Anfang an kein schöner Zug gewesen: Umständlich zuckelt der Zug seit Jahresanfang von Michendorf aus in großem Bogen über Caputh nach Potsdam. „Jedes Mal wenn ich diesen Zug sehe, ist er leer“, sagt Pilling, der als Gemeindevertreter Experte für den öffentlichen Nahverkehr ist. Dass die Linie kaum genutzt wird, sei kein Wunder, denn mit dem Bus ist man zehn Minuten schneller in der Landeshauptstadt. Die leere Bahn ärgert Pilling nicht nur aus volkswirtschaftlicher Sicht: Michendorf hat Ende 2011 die Verbindung zum künftigen Großflughafen verloren.

Aber nicht nur Michendorf ist abgekoppelt, sondern die gesamte Region bis in den Fläming. Ähnlich geht es der Region Teltow: Dort hatte man bislang auf eine direkte Verbindung zum BER mit dem künftigen Regionalexpress 9 gehofft – immerhin fährt der ja durch Teltow. Halten wird er hier jedoch nicht: „Die Einrichtung zusätzlicher Halte an den Unterwegsstationen würde die Fahrzeit verlängern und nicht die Funktion eines Expressshuttles erfüllen“, lautet die Begründung der Verkehrsplaner.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark will nun in die Bresche springen, und eine Verbindung zum Großflughafen einrichten – per Bus. Die Linie 600 soll ab Sommer fahren. „Der Bus könnte jedoch nicht als Express auf direktem Weg nach Schönefeld fahren“, dämpft Georg Dukiewicz, Fachdienstleiter für Verkehrsplanung im Landratsamt, die Hoffnungen. Wenn Potsdam-Mittelmark eine neue Buslinie einrichtet, dann seien auch die Nachbarlandkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gefragt, damit es finanzierbar bleibt. Und das wiederum hieße, dass der Bus in all diesen Landkreisen halten wird, und das mehrmals. Eine solche gemeinsame Buslinie der drei Kreise hatte es bereits vor einigen Jahren gegeben – doch dann hatten die Partner die Finanzierung aufgekündigt.

Die Michendorfer bekommen nicht mal den Bus nach BER. Zwar hatte das Land vorgeschlagen, eine Linie von Michendorf nach Saarmund fahren zu lassen, damit Passagiere dort in die Bahn umsteigen können. Doch so schnell wird nichts daraus. Denn der Saarmunder Bahnhofsvorplatz ist nach Angaben von Verkehrsplaner Dukiewicz desolat. Die Kommune müsste ihn kaufen und sanieren.

Dass der Landkreis künftig seine Bürger selbst zum BER bringen soll, sorgt für Unmut. Die derzeitige Verkehrsverbindung sei einfach inakzeptabel, sagt der Teltower Kreistagsabgeordnete Detlef Fanter. Man habe es versäumt, durch eine attraktive Verbindung Berlin-Lichterfeldes mit dem prosperierenden Teltow und Großbeeren per Regionalexpress neue Fahrgäste zu gewinnen. Die aktuellen Passagierzahlen seien den Verkehrsplanern zu gering gewesen, sagt Vize-Landrat Christian Stein. Dass sich daran mit der Eröffnung des Flughafens vielleicht was ändern könnte, sei aber nicht berücksichtigt worden.

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