Von TISCH zu TISCH : Umami

Vorbeikommen, ohne zu reservieren? Geht in diesem Vietnamrestaurant, obwohl es immer voll ist. Ein Besuch lohnt: Essen und Service sind super

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Gutes Restaurant mit Clubcharakter: das Umami in Kreuzberg.
Gutes Restaurant mit Clubcharakter: das Umami in Kreuzberg.Foto: Umami / promo

Meinen Versuch, einen Tisch zu reservieren, parierte der freundliche Typ am anderen Ende der Leitung mit einem entspannten: „Kommen Sie einfach spontan vorbei, wir finden schon was.“ Schon von weitem sah man, dass die Terrasse bis auf den letzten Platz besetzt war. Innen sah es nicht besser aus. An langen Tischen wurde gespeist und gelacht und getrunken. Ein Eckchen ganz am Eingang fand sich dann so ganz spontan doch noch.

Beinahe gemütlich

Obwohl es ein ziemlich später Sonntagabend war, wogten immer wieder neue Schübe von Speisenden herein. Der Raum ist vergleichsweise spartanisch ausgestattet, man sitzt auf Hockern an langen, blanken Holztischen. Auf dem Tisch hölzerne Schiffchen mit Essstäbchen, Besteck und Papierservietten. Das Gewusel ringsum bringt eine geradezu gemütliche Note herein. Dazu tragen auch die interessanten vietnamesischen Lampen bei.

Wir befinden uns offensichtlich in einem Restaurant mit zwei Ebenen. Dem ersten Anschein einer überfüllten Garküche folgen Impressionen einer clubgestählten Eleganz. Die spürt man etwa an der Art, wie Aperitifs serviert werden. Prosecco von Scavi & Ray wird im Fläschchen mit passenden Gläsern auf dem Tablett deutlich schneller herbei gebracht, als in den meisten gehobenen Restaurants (4,80 Euro).

Echte Profis

Immer wieder balancieren die Kellner Tabletts mit Wasser- und Weinflaschen durch das Gewoge. Auch interessant dass, anders als fast überall sonstwo, der Hauswein in Bioqualität teurer ist, als die anderen Flaschen, von denen es allerdings nicht allzu viele gibt. Dafür passt der fruchtige Grauburgunder des badischen Weinguts Zähringer stilistisch gut zu den kräftigen Gewürzen.(22,50 Euro). Die immer wieder beschworene asiatische Mami kocht in Blitzgeschwindigkeit. Ihr steht ja auch ausreichend viel ausgesprochen freundliches Service-Personal zur Verfügung. Meine Überraschung über den Andrang ließ im Laufe des Abends immer mehr nach. Hier sind echte Profis am Werk, und das gilt auch für die Köche an Mamis Seite.

Hausgemacht

Im Mekong Garden Salat steckte eine Art Knäckebrot mit schwarzem Sesam. Blattsalate und Cherry-Tomaten mischten sich mit großzügig portionierten, perfekt gereiften Avocadostücken, Quinoa-Flocken, Korianderpesto, Krebsfleisch und Limetten-Fischvinaigrette zu einer originellen Vorspeise. Schade, dass dieser Salat nicht auf der Standardkarte steht, sondern zum Wochenprogramm gehörte (4,40 Euro).
Messer befanden sich leider nicht in dem Schiffchen. Das machte es zunächst schwierig, die mit Kräutern und Gemüse gefüllten Sommerrollen zu handhaben, zumal sie auch gut aneinander klebten. Alles wirkte tatsächlich etwas hausgekocht, aber der Erdnuss-Soya-Dip dazu war gut, und die nette Kellnerin gab den praktischen Rat, die Rollen einfach mit der Hand zu essen (3,60 Euro).

Gerne mal wieder

Der Hauptgang trug den modischen Titel „Tuna me up“. Kleine Thunfischmedaillons waren knapp medium gegart und ummantelt von einer schwarzen Szechuanpfeffer-Marinade. Dazu gab es grünen Spargel und asiatische Gemüse-Varianten. Gebettet war das auf eine erstaunlich sanfte lindgrüne Wasabicreme. Knusprige Süßkartoffelstäbchen gaben die elegante Sättigungsbeilage (18,90 Euro).
Die scharf angebratenen, ziemlich zarten „Angry Calamare“ in einem großen Reistopf sahen ein bisschen aus wie Tannenzapfen, goldiger in der Farbe freilich und kein bisschen „angry“. Mit Zucchini, Peperoni und Kimchi-Kohl teilten sie sich eine scharfe Saté-Sauce (7,80 Euro). Das Dessert schließlich, eine Creme aus Chia-Samen mit Heidelbeeren, war hübsch verziert mit Minzblättchen und Mangostreifen. Hier hatten die Massen nicht geirrt: ein Lokal zum Wiederkommen.

-Umami. Bergmannstr. 97, Kreuzberg, Tel. 68 32 50 85, täglich 12 bis 23 Uhr

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