• Vorwürfe gegen gefeuerten BER-Technikchef: "Es liegt nach wie vor kein Terminplan vor"
Update

Vorwürfe gegen gefeuerten BER-Technikchef : "Es liegt nach wie vor kein Terminplan vor"

Ein anonymes Insider-Papier wirft dem zunächst von Mühlenfeld  gefeuerten Technikchef Marks Versagen vor. Jetzt soll er wieder zurückkehren. Hier das Original-Papier und die Hintergründe.

von
Jörg Marks, der entlassene Technikchef des BER.
Jörg Marks, der entlassene Technikchef des BER.Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Risiken auf der Baustelle des unvollendeten Berliner Hauptstadtflughafens für einen Start 2018 sind offenbar noch größer als bislang bekannt. Das geht zumindest aus einer von einem BER-Insider im Zuge der aktuellen Auseinandersetzungen unter der Überschrift „Problemthemen Bau“ verfassten Defizit-Analyse hervor.

Das Zwei-Seiten-Papier listet detailliert Versäumnisse des bisherigen Technikchefs Jörg Marks auf und kursiert im Aufsichtsrat vor der heutigen Sondersitzung zur Nachfolge von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Berlins Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup wird wie am Mittag bekannt wurde neuer BER-Chef.

Nach Zerwürfnissen mit dem vom Berliner Regierenden Michael Müller (SPD) geführten Aufsichtsrat muss Mühlenfeld selbst seinen Posten räumen. Darin sind sich die Eigner Berlin, Bund und Brandenburg einig. Auslöser des Konfliktes war, dass der Flughafenchef gegen den ausdrücklichen Willen des Aufsichtsrates den Technikchef ablöste, den 2014 Hartmut Mehdorn von Siemens zum BER geholt hatte. Marks soll, darauf lief es am Wochenende hinaus, im Zuge des bevorstehenden Wechsels an der Flughafenspitze wieder zurückgeholt werden. Mühlenfeld hatte die Trennung in einem Tagesspiegel-Interview damit begründet, dass mit Marks als BER-Bauleiter in jüngster Zeit alle Termine verfehlt worden sind und mit ihm bis Frühjahr kein vom Aufsichtsrat verlässlicher BER-Eröffnungstermin festgelegt werden könne.

Nach Tagesspiegel-Informationen hat Karsten Mühlenfeld bereits am Wochenende eine vorzeitige Vertragsbeendigung unterschrieben.

"Unterdimensionierung und fehlende Berechnungen"

Nach dem Zwei-Seiten-Papier, das eine Zuarbeit aus der FBB für Mühlenfeld oder von der Geschäftsführung selbst sein könnte, sind die Probleme am BER weit größer. Dass eine Eröffnung 2017 nicht möglich ist, war von den Verantwortlichen jüngst etwa damit begründet worden, dass in der Sprinkleranlage jetzt knapp zwei Kilometer Rohre ausgetauscht werden müssen. So hatte es Mühlenfeld im Aufsichtsrat Anfang Februar erklärt, und danach auch Müller im Abgeordnetenhaus.

In Vorlagen der Flughafengesellschaft für den Aufsichtsrat wurde angekündigt, dass bis März die Planungen für den Umbau vorliegen sollen. Im Schreiben „Problemthemen Bau“ heißt es im Gegensatz dazu unter dem Stichwort „Sprinkleranlagen/Hydrauliche Berechnungen)“, Zitat: „Ende 2016 wurden die Unterdimensionierung und fehlenden Berechnungen bekannt. Die Bauleitung suggeriert nun, dass bis Anfang März Überschlagsberechnungen vorliegen.“ Und weiter: „Tatsächlich liegen aber nur qualitative Bewertungen zu (Anm. offenbar ein Tippfehler) zu, die zur Neudimensionierung und dem Umbau genutzt werden sollen. Das Risiko verbleibt, dass spätere Rechnungen weitere Änderungen erfordern. Dies wurde nicht kommuniziert. Es liegt nach wie vor kein Terminplan vor.“ Bislang kalkuliert der Flughafen damit, dass die Bauarbeiten – auch der Sprinkleranlage – bis 30. Juni 2017 beendet sind, mit einem Risikopuffer bis September. Dauert es länger, könnte der BER 2018 nicht starten.

"Fehler in der ursprünglichen Planung"

In Punkt 6 der Auflistung „Technische Themen“ geht es unter der Überschrift „Zonen Checks Sprinkler/BMA“ um die Schnittstelle zur Brandmeldeanlage, abgekürzt BMA. Es wird gewarnt: „Seit Frühjahr 2016 ist im Baubereich bekannt, dass die Alarmierungsbereiche von Sprinkler und BMA nicht übereinstimmen (Zuordnung Land-/Luftseite). Dies ist ein Fehler in der ursprünglichen Planung und erfordert einen Umbau.“ Und weiter: „Erst nach Bedenkenanzeige XXXX wurde dieses Thema außerhalb des Baubereiches bekannt und ist zur Zeit einer der größten Terminrisiken.“ Wie aktuell das Papier ist, zeigen folgende Passagen, in denen der von Mühlenfeld als neuer BER-Projektleiter angeheuerte frühere Bahnmanager Christoph Bretschneider erwähnt ist. Zitat: „Klagen sowohl aus der Bauorganisation als auch der Geschäftsleitung, dass die Objektüberwachung nicht ausreichend auf der Fläche präsent ist und damit die Arbeit nicht kontrolliert, wurden von Herrn Marks trotz regelmäßiger Aufforderung nie umgesetzt. Herr Bretschneider hat dies in der 1. Woche umgesetzt.“

"Kein technisches und kaufmännisches Controlling"

Noch dramatischer aber ist die Auflistung unter der Überschrift „Kommerzielle/Organisatorische Defizite“. Da ist sogar davon die Rede, dass „bis zum heutigen Tage vergaberechtswidrig“ Aufträge an Fach- und Objektplaner ausgelöst würden. Oder: „Die Bauleitung wollte in Nachtragsverhandlungen mit der Firma ….. 30 Mio Euro zahlen, obwohl eine Begründung fehlte und kein Zeitdruck existiert“. Und weiter: „Im Bau herrscht die Meinung weiterhin vor, dass man auf die Forderungen der Firmen eingehen muss, um sie zu motivieren weiter zu arbeiten, auch wenn die Forderungen nicht sauber begründet sind.“ Unter Punkt „Baukostencontrolling“ wird für den neuen, immer noch nicht fertigen Airport, für den einst 2,5 Milliarden Euro kalkuliert, mittlerweile 6,5 Milliarden Euro bewilligt wurden, festgestellt: „Der Bau hat kein technisches und kaufmännisches Controlling und Risikomanagement aufgebaut, um etwaige technische, baubetriebliche, wirtschaftliche und rechtliche Risiken zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu definieren."

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

40 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben