Weltkulturerbe Pfingstberg : Springer-Chef bricht Streit in Potsdam vom Zaun

Springer-Vorstand Mathias Döpfner saniert den Park der Villa Henckel am Potsdamer Pfingstberg - im Auftrag der Schlösserstiftung. Zum Unmut der Anwohner ist das Areal jetzt eingefriedet.

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Streit unter Nachbarn. Mit Schildern wird gegen den Zaun protestiert, den Mathias Döpfner im Auftrag der Schlösserstiftung um die Gärten der Villa Henckel und der Villa Schlieffen errichten ließ.
Streit unter Nachbarn. Mit Schildern wird gegen den Zaun protestiert, den Mathias Döpfner im Auftrag der Schlösserstiftung um die...Foto: Andreas Klaer

Zum Ärger der Anwohner lässt die Schlösserstiftung in Potsdam am Pfingstberg bislang frei zugängliche Teile des Weltkulturerbes einzäunen. Es geht um ein rund sechs Hektar großes Areal in unmittelbarer Nachbarschaft der Villen Quandt und Lepsius zwischen der Straße Am Pfingstberg und der Großen Weinmeisterstraße.

Historisch gehört das Gebiet zu den Gartenanlagen der Villen Henckel und Schlieffen, derzeit ist es dicht mit Wildwuchs bedeckt. Die Stiftung will diese Gartenanlagen und die verfallene Villa Schlieffen nach historischem Vorbild sanieren lassen und hat dafür Springer-Vorstand Mathias Döpfner gewonnen. Der Potsdamer, dem die Villa Henckel und ein Teil ihres historischen Parks gehört, bezahlt die Sanierung und bekommt im Gegenzug das Recht, das Areal auch privat zu nutzen.

Seit einigen Tagen ist das Gelände nun eingezäunt, was etlichen Anrainern sauer aufstößt. Nachdem das Areal zu DDR-Zeiten vom russischen Geheimdienst KGB genutzt wurde und daher abgeschottet war, werde nun eine neue Verbotszone errichtet, beklagte eine Anwohnerin. Die Wiesen und der Wald bedeuteten für Familien, Kinder und Hunde „unschätzbare Freiheit, die in anderen Parks eingeschränkt ist“. Eine andere Anwohnerin kritisierte eine „Privatisierung öffentlicher Grünflächen“ durch die Schlösserstiftung.

Aufregung unter Potsdamer Politikern

Sowohl Döpfner als auch die Stiftung wiesen die Kritik zurück. Er habe sich auf Wunsch der Stiftung zur Wiederherstellung der historischen Parkanlage und zur Sanierung der Villa Schlieffen bereiterklärt, sagte der Springer-Vorstandschef. Er habe den Vorschlag angenommen, um „anderen Menschen eine Freude zu machen: mit Kunst und Kultur“. Unter anderem sollen alte Wegebeziehungen, ein Wasserlauf mit Grotte und verschiedene Brücken instandgesetzt werden. Die marode Villa Schlieffen, die bereits eingerüstet ist, soll nach ihrer Sanierung ein öffentlicher Ort werden. Er wolle dort seine private Kunstsammlung ausstellen, sagte Döpfner. Insgesamt werde er wohl einen siebenstelligen Betrag investieren, den die Stiftung nicht aufbringen könne.

Der Generaldirektor der Schlösserstiftung, Hartmut Dorgerloh, verwies alle Kritiker auf die Historie: Die Gartenanlagen der Villa Henckel und der Villa Schlieffen seien auch früher eingezäunt gewesen. Erst die Russen hätten die Einfriedungen abgebaut. Im Übrigen seien die Anwohner und die Nachbarschaftsinitiative Neuer Garten bereits vor Monaten über die Pläne informiert worden. Mitte Oktober wolle die Stiftung ein Schild aufstellen, auf dem über das Bauvorhaben und die Geschichte des Parks informiert wird.

Auch unter Potsdamer Politikern hat der Zaun am Pfingstberg bereits Aufregung ausgelöst. Im letzten Hauptausschuss hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zu dem Vorhaben der Stiftung Auskunft geben müssen – und erklärt, dass der Zaun dauerhaft stehen bleiben solle, das Grundstück aber öffentlich zugänglich bleiben werde.

Weitere Zäune am Pfingstberg geplant

Das bestätigt auch Hartmut Dorgerloh. Alle historischen Wege zwischen Neuem Garten und dem Pfingstberg sollen offen bleiben, versicherte der Stiftungschef. Die Gartenanlage selbst werde gemäß den Bestimmungen des Bebauungsplans ebenfalls öffentlich zugänglich gemacht – „zu festgelegten Zeiten“, sagte Döpfner.

Anwohner und Spaziergänger werden sich indes auf weitere Zäune am Pfingstberg einstellen müssen: Denn auch die Villa Quandt und die Villa Lepsius sollen nach historischem Vorbild eingefriedet werden, kündigte Dorgerloh an. Ob Zäune aufgestellt oder Hecken gepflanzt werden, sei allerdings bislang noch offen.

Auch für das letzte unsanierte Gebäude auf dem Areal hat die Stiftung inzwischen einen Nutzer gefunden. Das frühere Kutscherhäuschen der Villa Lepsius – es ist derzeit noch im tristen Grau des früheren KGB-Städtchens gestrichen – sei an die Stüler-Stiftung verpachtet worden, sagte Dorgerloh. Die Stiftung wolle in dem Haus ein öffentliches Archiv unterbringen, in dem über das Werk des preußischen Architekten August Stüler (1800 – 1865) informiert wird.

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