Berlin : Wie man einen Tennisball knutscht

Florian Henckel von Donnersmarcks „Der Tourist“ feierte Europapremiere am Potsdamer Platz Und Johnny Depp musste erklären, wie es sich anfühlt, Angelina Jolie zu küssen

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Da sind sie ja! Nach langer, langer Zeit des Wartens erschienen die drei doch noch am Nachmittag in Berlin auf der Bühne. Gestatten, von links nach rechts: Florian Henckel von Donnersmarck, Angelina Jolie und Johnny Depp. Foto: AFP/John Macdougall
Da sind sie ja! Nach langer, langer Zeit des Wartens erschienen die drei doch noch am Nachmittag in Berlin auf der Bühne....Foto: AFP

Kino? Eine riesige Illusion, wissen wir doch alle. Aber manchmal ist das Aufwachen aus den schönen Träumen einfach zu heftig, die Ernüchterung grenzenlos. Wie es denn bei den Kussszenen gewesen sei, ob sie geprobt hätten, wollte doch tatsächlich jemand von Angelina Jolie und Johnny Depp wissen, als sich die beiden gestern im Adlon gemeinsam mit Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck den Journalistenfragen zu „Der Tourist“ stellten. Erwartet hätte man eine Schwärmerei von nie erlebten Traumküssen, vom Naturtalent des jeweils Anderen in dieser Form der zwischenmenschlichen Kommunikation. Doch was verrät Johnny der erst staunenden, dann kichernden Journalistenschar? „Alles computergeneriert.“ In Wirklichkeit habe er nur einen bemalten Tennisball geküsst.

Nun, da war die versammelte Presse dann doch wieder halbwegs versöhnt, nachdem die Pressekonferenz, nachmittäglicher Auftakt zur Europapremiere des Films am Abend am Potsdamer Platz, erst verschoben worden war und dann sich um über anderthalb Stunden verzögert hatte. Angeblich hatte Johnny Depps Flugzeug nicht rechtzeitig starten können, sei es von London oder von Paris aus, da widersprachen sich die Informationen. Und auch das kurzfristig aufgetauchte Gerücht, dass wieder mal das Enteisungsmittel ausgegangen sei, war eher ein Journalistenscherz als eine handfeste Nachricht.

Aber dann saßen sie schließlich doch im Ballsaal des Adlon, vor etwas geschrumpftem Publikum, aber das Warten hatte sich für die Drei auf der Bühne gelohnt, war doch zwischenzeitlich durchgesickert, dass der Film drüben in Amerika, trotz teilweise vernichtender Kritiken, drei Nominierungen für den Golden Globe ergattert hatte, in den Kategorien Hauptdarstellerin, Hauptdarsteller und Film. Das sei „very nice“ und er selbst „very touched“, finde gar keine Worte, brummelte Johnny Depp, der beharrlich den Hut aufbehalten hatte, ins Mikrophon, gab sich auch sonst streckenweise wortkarg, wirkte eher wie ein domestizierter Pirat als ein Allerweltsmathemathiklehrer, den er doch in Donnersmarcks Film zu spielen hat, jedenfalls scheint es so.

Vor 16 Jahren war Johnny Depp das letzte Mal in Berlin, erzählte er, tat auch noch kund, dass alle von ihm gespielten Rollen in ihm drin steckten, was – so wird jedermann verstehen – ziemlich anstrengend sei. Und seine Filme, nein, die sehe er sich eigentlich nie an. Natürlich überschütteten sich die Drei auch gegenseitig mit Komplimenten, „Near to perfect cinema“ sei die Arbeit von Donnersmarck, schwärmte Depp, auch Angelina war voll des Lobes und bekannte, dass diesmal die größte Herausforderung für sie war, sich zurückzunehmen, das Tempo zu bremsen. Kennengelernt hatten sie sich übrigens erst durch den Film.

Abends sollte das Trio dann noch Verstärkung erhalten, wie angekündigt hatte Angelina Jolie ihren Brad Pitt mitgebracht – am Sonntagabend waren sie in Berlin gelandet und hatten mit den Kindern im Adlon eingecheckt – , für den Gang über den roten Teppich des Cinestar. Angelina Jolie hatte den Gang über den Teppich in Berlin erst vor einigen Wochen absolviert, für die Premiere von „Salt“, aber dass die Fans deswegen weniger zahlreich erscheinen würden, war nicht zu befürchten. Etwas gehandikapt waren die Zaungäste gestern allerdings schon, war doch die Laufstrecke für die Stars teilweise von Tannen und Buden umzingelt.

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