Wohnraum in Berlin : Sozialwohnungen - ein knappes Gut

Berlin bräuchte zusätzliche 500 000 Sozialwohnungen, doch die Zahl dieser öffentlich geförderten Mietwohnungen schrumpft seit Jahren. Im Jahr 2023 wird es nur noch 100 000 öffentlich geförderte Sozialwohnungen geben. Ein bundesweiter Trend.

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Sozialwohnungen in Reinickendorf- in Berlin gibt es einen Bedarf von zusätzlich 500 000 Sozialwohnungen.
Sozialwohnungen in Reinickendorf- in Berlin gibt es einen Bedarf von zusätzlich 500 000 Sozialwohnungen.Foto: picture alliance/ dpa

In zehn Jahren wird es in Berlin 45 000 Sozialwohnungen weniger geben als jetzt. Spandau, Reinickendorf und Neukölln sind von dieser Entwicklung besonders betroffen. Dort halbieren sich die Bestände der öffentlich geförderten Mietwohnungen. Momentan gibt es in Berlin etwa 154 000 Sozialwohnungen, davon rund 143 000 zur Miete. Nach Berechnungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werden es im Jahr 2023 nur noch 108 000 Sozialwohnungen (davon 101 000 Mietwohnungen) sein.

Bundesweit fehlen vier Millionen Sozialwohnungen

Berlin liegt damit im bundesweiten Trend. Das renommierte Pestel-Institut in Hannover schätzt, dass in Deutschland vier Millionen Sozialwohnungen fehlen und fordert die öffentliche Förderung von Neubauten, den Ankauf von Belegungsrechten und eine wirksamere Mietpreisbindung. In Berlin gebe es einen Bedarf von zusätzlich 500 000 Sozialwohnungen, so das Forschungsinstitut. Seit 2007 ist die soziale Wohnraumförderung Ländersache. Allein verantwortlich für den Mangel an preiswerten Wohnungen für sozial schwache Menschen ist seitdem der Berliner Senat.

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Bei 2 000 bis 10 000 Sozialwohnungen jährlich läuft die öffentliche Förderung aus

Nach der aktuellen Statistik der Stadtentwicklungsbehörde, die jetzt dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vorgelegt wurde, gehen jährlich rund 2000 bis 10 000 Sozialwohnungen verloren, weil die öffentliche Förderung ausläuft. Gleichzeitig werden keine neuen Wohnungen dieser Art mehr gebaut. Berlin gehört (noch) zu den wenigen Bundesländern, die trotz der zunehmenden Wohnungsnot auf eine kommunale Förderung des Wohnungsneubaus verzichten. Das soll sich ab 2014 ändern.

Die mit Abstand größten Bestände an Sozialwohnungen sind in Neukölln, Tempelhof-Schöneberg, dem westlichen Teil des Bezirks Mitte und in Spandau zu finden. Im Osten der Stadt wurden erst nach 1990 einige tausend öffentlich geförderte Sozialwohnungen gebaut. Ein beträchtlicher Teil der Bestände konzentriert sich auf Großsiedlungen. Dazu gehören beispielsweise der Sozialpalast (Schöneberg), die Brunnenstraße (Wedding), der Mehringplatz (Kreuzberg), die Rollbergsiedlung (Neukölln) und die Heerstraße (Spandau).

Den eigentlichen Sinn, Bürgern mit begrenztem Einkommen guten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, hat der soziale Wohnungsbau teilweise verloren. Einkommensgrenzen wurden so erweitert, dass in Berlin 60 Prozent aller Haushalte eine Sozialwohnung beziehen dürfen. Die Durchschnittsmiete von 5,50 Euro (netto kalt) liegt 30 Cent über der durchschnittlichen Miete nicht preisgebundener Wohnungen. Immerhin mit stabiler Tendenz.

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