Berlin : Zum Geburtstag eine Torte – sechs Meter hoch

Das Jahrhundertgeschenk der Konditoren zur KaDeWe-Feier hat ein Holzskelett, sieben Etagen – und ist zuckersüß

Elisabeth Binder

Die letzten Kunden, die am Montag um 20 Uhr das KaDeWe verlassen, ahnen nicht, dass im Eingangsfoyer gerade ein Pioniereinsatz beginnt. Chef-Patissière Sabine Femfert und Konditormeister Thomas Bartsch wollen zum ersten Mal in ihrem Leben eine mehr als sechs Meter hohe Torte bauen. Bislang lag der Rekord bei drei Metern. So was wird schon mal zu Hochzeiten bestellt. Zum Geburtstag des KaDeWe wollen sie etwas ganz Besonderes schaffen, seit Wochen tüfteln sie an den Plänen: „Wir haben keine Ahnung, wie das aussehen wird, sind aber schon sehr aufgeregt.“

Schnell stellt sich heraus, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden kann. Das hölzerne Skelett ist gerade erst eingetroffen und muss noch aufgebaut werden. Das ist mühsamer als gedacht. Haushandwerker Oliver Kloy hat eine Kiste mit Kabeln für die Beleuchtung dabei und klettert hinein in das Fundament. „Kannst ja später aus der Torte springen“, scherzt einer der Aufbauarbeiter. Überhaupt wird viel gelacht in dieser Nacht.

Dabei leisten die Zuckerbäcker echte Schwerstarbeit. Nachts um eins knien sie auf dem Boden und schneiden mit langen Messern halbrunde Styropor-Stücke zurecht, dass es nur so quietscht. Auf dem hölzernen Gerüst bilden die später die Unterlage für die Eiweißglasur. Gerade wird auf dem Podest die zweite Etage aufgebaut. Insgesamt sieben sollen es werden, ein Abbild des KaDeWe, und mit einem speziellen Aufsatz könnte man sogar acht zählen.

Mit 5000 Stückchen Torte will das KaDeWe am morgigen Donnerstag zwischen 11 und 13 Uhr seine Geburtstagsgäste bewirten. Bis dahin liegen noch viele Stunden Nachtarbeit vor den Konditoren. Im Kuchen stecken unter anderem 200 Kilo Butter, 200 Kilo Puderzucker, jeweils 80 Kilo Mehl und Weizenpulver, außerdem 16 000 Eier. Das genaue Rezept behalten sie für sich. „Vielleicht machen wir lieber eine Bar draus“, witzelt Thomas Bartsch, als sich die beiden kurz auf die erste Torten-Etage aufstützen.

Während die Handwerker das Holzgerüst höher und höher wachsen lassen, fangen die Konditoren um 3 Uhr 30 an, die Eiweißglasur anzurühren, 210 Kilogramm insgesamt, die in Plastikeimern ins Eingangsfoyer transportiert werden. Um sechs Uhr kann es endlich richtig losgehen. Da stehen die drei ersten Etagen, daneben auf einem roten Wagen die vier vorbereiteten KaDeWe-Fassaden aus Marzipan. Die haben sie in liebevoller Kleinarbeit dem Original nachgebildet, haben mit Lebensmittelfarbe das goldene Tor aufgesprüht und die Schaufensterdekorationen. Sabine Femfert rührt Eimer für Eimer mit kräftigen Bewegungen die Eiweißglasur in eine schmiegsame Konsistenz. Mit weit ausladenden Bewegungen verstreichen die beiden 37-jährigen Berliner sie über das Tortengerüst. „Da wird man wieder zum Kind“, lächelt Thomas Bartsch vergnügt. Es riecht nach Café. Seit 17 Uhr sind sie jetzt im Einsatz und immer noch gut drauf.

Gegen neun erwacht das KaDeWe wieder zum Leben. Eine Sicherheitsfrau schaut vorbei und will nicht glauben, dass das keine Sahnetorte ist. „Sieht aber so aus!“ Die Haushandwerker machen einen Lichttest. Klappt. Eine Dior-Verkäuferin möchte gern mal naschen. Darf sie nicht. Immer mehr Kollegen schauen durch die weißen Vorhangbahnen, die das Geschehen dezent verdecken: „Ihr seid ja schön fleißig“, rufen sie. Manche machen Fotos. Sabine Femfert und Thomas Bartsch lächeln zufrieden. Um zehn Uhr morgens kommen die Kunden wieder ins Haus. Eigentlich sollte jetzt Feierabend sein, aber sie machen weiter, bis das letzte Kilo Eiweißglasur verstrichen ist und die Marzipanfassaden am richtigen Ort stehen. Müde sind sie, aber jetzt ganz zuversichtlich, dass ihr Jahrhundertgeschenk pünktlich zum Geburtstagsfest fertig ist.

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