Zurückhaltung von V-Mann-Akten : Neue Vorwürfe gegen Henkel und die Berliner Polizei

23.09.2012 18:23 Uhrvon und
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Die Berliner Polizei verteidigt den Umgang mit V-Mann-Akten zum NSU. Auch Innensenator Henkel steht weiter in der Kritik. Ein Abgeordneter stellt derweil Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Geheimnisverrats.

Erneut gibt es Vorwürfe, nach denen die Berliner Polizei dem Generalbundesanwalt Akten zum V-Mann Thomas S. verweigert hat, damit diese nicht beim NSU- Bundestagsuntersuchungsausschuss landen. Mit in der Kritik steht Innensenator Frank Henkel (CDU), der dem Ausschuss nicht alle Materialien zukommen ließ. Henkel und sein Sprecher wollten sich am Sonntag dazu nicht äußern und verwiesen auf die Polizei.

Polizeisprecher Stefan Redlich bestätigte aber ein Schreiben des Berliner Staatsschutzchefs Oliver Stepien vom 3. April, in dem er unter anderem ausführte, warum er der Bundesanwaltschaft nicht wie angefordert die kompletten Akten über den V-Mann übergeben könne.

Im wesentlichen begründete Stepien es damit, dass sich die Polizei gegenüber dem V-Mann zur Verschwiegenheit über dessen Identität verpflichtet habe. „Dies ist ein ganz normaler Vorgang im Umgang mit V-Personen“, sagte Redlich. Bis heute habe dieser die Polizei nicht davon befreit, auch wenn man bereits im Mai diesbezüglich an ihn herangetreten sei. Stepien habe in dem sechsseitigen Schreiben an die Bundesanwaltschaft durchaus betont, zum NSU-Komplex „offen zu kommunizieren“. Aus diesem Grund verfasste die Polizei ein so genanntes Behördengutachten, in dem die Aussagen des V-Manns zur Neonaziterrorzelle NSU wiedergegeben wurden. Die Bundesanwaltschaft habe am 27. März Einblick in die kompletten Akten gehabt.

Bildergalerie: Die NSU-Verbindungen nach Berlin:

Die Bundesanwaltschaft mochte den Vorgang gestern ebenfalls nicht weiter kommentieren. Es sei ihrerseits alles gesagt: „Die Bundesanwaltschaft hat auf das Verhalten der Berliner Behörden im Hinblick auf Aktenvorlagen beim Untersuchungsausschuss keinen Einfluss genommen.“ Jetzt müsse wieder zur eigentlichen Arbeit zurückgekehrt werden, nämlich der „bestmöglichen Aufklärung des NSU-Komplexes“. Die Bundesanwaltschaft sei in eine Diskussion hereingezogen worden, die sie nicht gesucht habe. Henkel hatte in der vergangenen Woche auf einer Sondersitzung des Innenausschusses gesagt, man habe mit der Bundesanwaltschaft verabredet, dass diese den Untersuchungsausschuss über den Berliner V-Mann informiert.

Sowohl der Linken-Fraktionschef Udo Wolf wie auch der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, üben heftige Kritik daran, dass Henkel seiner Mitteilungspflicht gegenüber dem Untersuchungsausschuss nicht nachgekommen sei. Lux sagte, dass der Innensenator und die Polizei „komplett betriebsblind“ gehandelt hätten. Linksfraktionschef Wolf warf Henkel vor, lediglich auf die Polizei zu verweisen. „Das ist eine Frage der politischen Verantwortung“, sagte Wolf.

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