Kultur : Abenteuer im Altersheim

Bernd Böhlichs „Bis zum Horizont, dann links!“.

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„Natürlich beginnt für Sie mit dem Eintritt in unsere Seniorenresidenz ein vollkommen neuer Lebensabschnitt“, sagt die Leiterin freundlich. „Der letzte“, unterbricht Annegret Simon (Angelika Domröse) die Routine des Aufnahmegesprächs, „keine neuer, sondern der letzte Lebensabschnitt.“

Für die meisten Bewohner ist im „Haus Abendstern“ Endstation. Annegrets Sohn geht mit Familie nach New York, also wird die Mutter ins Altersheim abgeschoben. Eckehardt Tiedgen (Otto Sander) flüchtet sich in verbitterten Zynismus, während der neue Mitbewohner Willy Stronz (Ralf Wolter) ihn mit dauerguter Laune terrorisiert. Als die Seniorenrunde an Bord einer JU 52 zu einem Rundflug über Brandenburg ansetzt, bedroht Tiedgen im Cockpit den Piloten mit einer geklauten Polizeipistole. Dies sei eine Flugzeugentführung, sagt er, und nun werde man schön gemeinsam ans Mittelmeer fliegen.

Das Mittelmeer ist immer eine prima Alternative – Bernd Böhlichs „Bis zum Horizont, dann links!“ aber macht nichts aus seiner durchaus originellen Prämisse. Zwar zeigt der Film die unerträgliche Stagnation des Seins im Altersheim, verliert im Himmel über Europa aber bald die Orientierung und versendet sich – Böhlichs Drehbuch hält sich ans wenig subtile Fernsehformat – in arg versöhnliche Nettigkeiten. Immerhin schaut man den betagten Schauspielern gern bei der Arbeit zu. Otto Sander bietet einen geradezu theatralen, bitterbösen Monolog über die Abgründe des Alterns; Angelika Domröse brilliert in einer wortkargen Rolle. Deutlich mehr guter Text aber hätte beiden nicht geschadet. Und dem Zuschauer ebenso. Martin Schwickert

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