Abschluss-Konzert in der Waldbühne : Brot und Katz-und-Maus-Spiele

Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker haben die Spielzeit mit ihrem Konzert in der Waldbühne beendet - mit einem wuchtigen Lang Lang und Filmmusik.

Tomasz Kurianowicz
Die Berliner Waldbühne.
Die Berliner Waldbühne.Foto: dpa

Zum Abschluss der Konzertsaison hat Sir Simon Rattle mit seinen Berliner Philharmonikern in die Waldbühne geladen, um sich mit Fanfaren, Filmmusik und Brezeln vom Publikum zu verabschieden. Und welche Freude haben die Musiker dabei! Am Anfang erklingt die „20th Century Fox“-Fanfare, danach Bronislau Kapers Ouvertüre zum Film „Meuterei auf der Bounty“ (1962), an die sich Rattle noch mit verhaltenen Tempi herantastet. David Raksins Titelmusik zum Film „Laura“ (1944) wirkt da schon etwas enthemmter. Und trotzdem gehört der erste Teil des Abends voll und ganz Lang Lang und seiner virtuosen Interpretation von Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll. Meine Güte, was für ein Auftakt!

Der chinesische Pianist schafft es, mit seinem famosen Spiel, seiner körperlichen Akzentuierung der Forte-Passagen alle Babyschreie, Vogelproteste und Nieser vergessen zu machen. Man wird sofort hineingezogen in diese spitzbübisch heraufbeschwörte Klangwelt; in das wilde Allegro, das Lang Lang mit fulminanten, irre machenden Läufen zu einer rauschartigen Zerreißprobe verwandelt. Nur das Adagio gerät stellenweise etwas zu leidenschaftlich, was aber spätestens nach dem letzten Satz egal ist, in dem jeder Einschlag, jeder Triller so wunderbar wuchtig und klug platziert wirkt wie die Knalleffekte bei Steven Spielberg. Da ballt man vor Spannung die Hände zu Fäusten.

Bei "Tom und Jerry" entfaltet sich ein Katz-und-Maus-Spiel

Apropos Film. Im zweiten Teil des Abends bringt Rattle das sinfonische Porträt „Robin Hoods Abenteuer“ von Erich Korngold zum Erklingen. Hier mutieren die Philharmoniker zu einem Swing-Orchester oberster Kategorie und tanzen und wippen sich durch fünf klangmalerische Sätze.

So umwerfend gelingt auch Scott Bradleys Musik zur Zeichentrickserie „Tom und Jerry“. In der drängenden, synkopierten Takten entfaltet sich (buchstäblich!) ein Katz-und-Maus-Spiel, das ein Kaleidoskop neuer Klang-Erfahrungen entfesselt: Ein Geiger der Philharmoniker hilft sogar am Schlagzeug aus, um Katzengeräusche, Hup-Sounds und kläffendes Hunde-Gebell zu imitieren, wonach er stürmisch die Flucht ergreift. Das bringt das Publikum zum Lachen und stimmt für den Abschluss ein: erst Miklós Rózsas Orchestersuite zu Ben Hur und dann – natürlich – drei Zugaben von John Williams, wie etwa die Titelmusik zu den Filmen „Indiana Jones“ und „Star Wars“.

Niemand will jetzt gehen, also legen die Philharmoniker noch eins drauf und schließen das Konzert, jetzt aber endgültig, mit Paul Linckes „Berliner Luft“. Allerorts glückliche Gesichter.

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