Agentenkomödie „Codename U.N.C.L.E.“ : Der Altnazi und die Zonen-Gaby

Voll retro: Die Agentenkomödie „Codename U.N.C.L.E“ spielt zu Zeiten des Kalten Krieges. Regisseur Guy Ritchie führt in das Berlin der 60er Jahre.

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Spion Ilya steht im Berlin der 60er Jahre
KGB-Spion Ilya (Armie Hammer) agiert stets im Dienste des real existierenden Sozialismus.Foto: Warner

Schon mutig, in das Zeitfenster zwischen den neuesten „Mission: Impossible“ und „Spectre“, den im Oktober anlaufenden nächsten Bond, noch einen hoch budgetierten Agententhriller zu platzieren. Noch dazu einen, der auf der von Fans geschätzten, im Kollektivgedächtnis indes kaum verankerten Sechziger-Fernsehserie „Solo für O.N.C.E.L.“ beruht. Und der darauf verzichtet, die Handlung – wie bei der auch auf einer alten TV-Serie basierenden „Mission: Impossible“-Reihe – in die Gegenwart zu verlegen. Stattdessen spielt „Codename U.N.C.L.E.“ wie seine Vorlage in jener Ära, als der Kalte Krieg nach Mauerbau und Kubakrise in seiner heißesten Phase war.

In einem mit Ortskenntnis und Liebe zum Detail digital nachgestellten Berlin des Jahres 1963 hat CIA-Agent Napoleon Solo (Henry Cavill) den Auftrag, der Automechanikerin Gaby Teller bei der Flucht aus dem Ostteil der Stadt zu helfen. Beide werden vom hartgesottenen KGB-Offizier Ilya Kuryakin (Armie Hammer) unter Beschuss genommen. Umso größer die Verblüffung der in Antipathie verbundenen Topspione, als ihre Chefs ihnen tags drauf die Zusammenarbeit befehlen. Solo und Kuryakin sollen eine in Italien operierende Geheimorganisation infiltrieren. Deren Chefin, die ruchlose Victoria Vinciguerra (Elizabeth Debicki), will mithilfe von Gabys Vater, einem früher für Nazis und Amerikaner tätigen Nuklearforscher, die Herstellung von Atomwaffen vereinfachen und das Gleichgewicht der Kräfte destabilisieren.

Der britische Regisseur Guy Ritchie bringt nach dem viktorianischen Zeitalter in seinen „Sherlock Holmes“-Filmen erneut eine visuell reizvolle Epoche auf die Leinwand. Er schwelgt in optischen Exzessen, führt farbenfrohe Cocktailkleider, Turmfrisuren, poppige Interieurs, grazile Helikopter und elegante Automobile vor. Frühe Sechziger heißt aus Agentensicht aber auch: keine Hightechgadgets, sondern Klobiges aus der Computersteinzeit, plumpe Abhörwanzen, Verfolgungsjagd mit Trabant und Wartburg.

Geschickt hält Ritchie die Balance zwischen Spannung, Action und Genreironisierung, ohne in Klamauk abzudriften. Die Konzentration auf zwei Hauptschauplätze – Berlin und Rom sowie das umgebende Latium – hebt sich wohltuend vom prahlerischen Globalaktionismus der zeitgenössischen Agentenfilmkonkurrenz ab. Seine persönlichen Manierismen – schnell geschnittene Rückblenden, Superzeitlupen, Split Screens – setzt Ritchie wohldosiert ein, um den luftig-coolen Flow nicht zu gefährden.

Kurios ist die Besetzung der aparten Zonen-Gaby mit der Schwedin Alicia Vikander (bekannt als eisig-schöne Androidin aus „Ex Machina“), die sich in der Originalversion bei den auf Deutsch geführten Dialogen mit Filmvater (Christian Berkel) und Filmonkel (Sylvester Groth) an einem lautmalerischen Kauderwelsch abmüht. Sylvester Groth wiederum gibt in einer brillanten Performance den reueresistenten Altnazi mit aasiger Scheinfreundlichkeit, was an seinen Goebbels aus „Inglourious Basterds“ erinnert.

Als gelungen darf – nach einem Castingkarussell, bei dem von George Clooney bis Bradley Cooper jeder Name genannt wurde, der in Hollywood blockbustertauglich ist – auch die Wahl der beiden Hauptdarsteller gelten: Wirkte Armie Hammer an der Seite des grimassierenden Johnny Depp in „Lone Ranger“ noch indisponiert, so füllt der Amerikaner (ungeachtet eventueller Sprachdefizite) die Rolle des harten Russen mit sensiblem Kern hervorragend aus. Und der Brite Henry Cavill, der in „Man of Steel“ ein arg verkrampfter Superheld war, macht sich als schlagkräftiger Womanizer mit Gelfrisur locker.

Mag sein, dass ihr Zusammenspiel noch nicht so viele Funken sprüht wie das der Routiniers Robert Downey Jr. und Jude Law in den „Sherlock Holmes“- Filmen. Es trägt aber mühelos diesen vergnüglichen Sommerspaß, der als Mittelweg zwischen den testosteronbetriebenen Superagenten Tom Cruise und Daniel Craig und parodistischen Genrevariationen wie „Kingsman“ oder „Spy“ zu überzeugen weiß.

In 20 Berliner Kinos; OV im Cineplex Alhambra und Neukölln-Arcaden, Cinestar Sony-Center und Rollberg

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