Kultur : Barden für die Ewigkeit

Ein Dokumentarfilm beobachtet Konstantin Wecker und Hannes Wader gemeinsam auf Konzertreise.

Gerd Hartmann
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Alt sind sie geworden, wie sie sich Arm in Arm vor ihrem Publikum verbeugen. Nun ja, mit 64 beziehungsweise 69 Jahren hat man eben graue Haare und trägt Brille. Aber Repräsentanten bleiben für immer als Bild aus jener Zeit haften, für die sie einmal standen. Und das sind bei Konstantin Wecker und Hannes Wader die siebziger und achtziger Jahre. Wecker: das kraftstrotzende Mannsbild hinterm Flügel, das in seinen Liedern vom Leben alles fordert, vor allem Genuss. Wader dagegen: der spillerige GitarrenAsket, der Politbarde mit den kantigen Zwischentönen. Was für ein scheinbar unvereinbarer Kontrast damals, als die beiden Liedermacher den Fraktionen der linksalternativen Szene ihre Identifikationssongs gaben.

Vergangenes Jahr standen sie gemeinsam auf der Konzertbühne, eine ganze Sommertournee lang, und der junge Filmemacher Rudi Gaul hat sie begleitet. Entstanden ist ein behutsames Doppelporträt zweier höchst lebendiger Querulanten – und zugleich eine unangestrengte Reise durch die bundesrepublikanische Zeitgeschichte. Beim Münchner Filmfest erhielt die sensible Doku verdientermaßen den Publikumspreis.

Als politische Sänger, die mit ihren Liedern etwas bewegen wollen, begreifen sich die beiden bis heute. Und einmischen wollen sie sich nach wie vor. Davon sprechen sie im Bahnabteil, in der Garderobe oder zu Hause am Esstisch. Weiter entfernte Beobachter kommen nicht zu Wort. Rudi Gaul ordnet, aber er ordnet nicht ein. Das überlässt er seinen Protagonisten, die in erster Linie ihr einstiges Rebellentum pflegen. Hannes Wader wägt sorgsam die Worte ab, Konstantin Wecker gibt sich immer noch überschwänglich und voller Leidenschaft.

Der Filmemacher, Jahrgang 1982, hört ihnen neugierig zu – zur intervenierenden Nachfrage ist der Generationsabstand wohl zu groß. Das gesellschaftliche Umfeld schneidet er bündig als Clips unter manche Songs, die Schah-Demo in Berlin 1967 oder die Bilder von schwer bewaffneten Polizisten auf Terroristenjagd aus dem deutschen Herbst 1977.

Das war Waders schwarze Stunde. Einer vermeintlichen Journalistin stellte er seine Wohnung zur Verfügung – und später entpuppte sie sich als Gudrun Ensslin. Zehn Jahre lang wurde Wader dann vom Verfassungsschutz überwacht. Und Weckers von den Medien weidlich ausgeschlachtete Drogensucht? Auch sie streift der Film, kurz.

Dann ist da noch die Geschichte über zwei, die sich zusammenraufen. Für Wecker, den barocken Bayern, ist das kein Problem. Für Wader, den Eigenbrötler, dem bereits die sechs Saiten seiner Gitarre zu viel sind, schon eher. Die Begleitband und die ganze bajuwarische Sinnlichkeit irritieren ihn anfangs sichtlich. Umso ergreifender dann der Moment, als er in den Klangkreis tritt, den Wecker mit seinen Mannen zur Einstimmung auf ein Konzert immer macht – gemeinsam mit den anderen und doch ganz bei sich selbst. Gerd Hartmann

Babylon Mitte, Eiszeit

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