Kultur : Berliner Theatertreffen: mehr Kollektive

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Das Theater ist im Umbruch. Und verunsichert. Man merkt es an der Diskussion um das Buch „Der Kulturinfarkt“. Man merkt es auch an der Art, wie sich das Theatertreffen 2012, das am 4. Mai beginnt, unter neuer Leitung präsentiert: Zaghaft fast, radikal unprätentiös und gleichzeitig mit vorsichtigem Ernst an Erkenntnis interessiert – als bewegt man sich auf schwankendem Boden.“Ist das eigentlich noch Theater?“, fragt Intendant Thomas Oberender die verdutzte Berit Stumpf von der Gruppe Gob Squad, und die Frage ist keineswegs rhetorisch gemeint. Stumpf und Milo Rau sitzen neben Oberender und der neuen Leiterin des Treffens, Yvonne Büdenhölzer, und es ist Programm. Mehr international besetzte Kollektive und weniger klassisch interpretierendes Regietheater, das ist das Signifikante der diesjährigen Auswahl.

Das bestimmt aber auch immer mehr die Nebensektionen des Festivals. So hat man den Stückemarkt auch für Projekte geöffnet und richtet – zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung – zum ersten Mal das Forum Kulturpolitik aus, bei dem Politiker mit Theatermachern ins Gespräch kommen. Das Festival verschiebt den Schwerpunkt vom repräsentativen Schaufenster hin zur diskursiven Werkstatt. Thomas Oberender ist ein Intendantenprofessor, der große Fragen leise stellt. Das ist gewöhnungsbedürftig. Es muss in diesen Zeiten nicht von Nachteil sein. Andreas Schäfer

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