• Berlinische Galerie öffnet nach Sanierung: "Radikal modern" – Die Sonne der Sechziger

Berlinische Galerie öffnet nach Sanierung : "Radikal modern" – Die Sonne der Sechziger

Endlich zurück: Die Berlinische Galerie öffnet frisch saniert und neu sortiert. "Radikal modern" über Planen und Bauen in den Sechzigern ist die wichtigste der vier neuen Ausstellungen.

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Jetset des Sozialismus. Eine Collage von Dieter Urbach, die der Architekt Josef Kaiser 1971 für sein "Großhügelhaus" bestellte.
Jetset des Sozialismus. Eine Collage von Dieter Urbach, die der Architekt Josef Kaiser 1971 für sein "Großhügelhaus" bestellte.Abbildung: Dieter Urbach

Es ist noch nicht so lange her, da wurde in einem Kunstgutachten für die wiedervereinigte Stadt vehement die Schließung der Berlinischen Galerie gefordert. Der Sinn des 1975 im Westteil gegründeten Landesmuseums für moderne Kunst, Fotografie und Architektur mit Berlinensien als Spezialität war nach dem Mauerfall nicht mehr recht zu erkennen, seine Stellung zwischen Nationalgalerie und Stadtmuseum uneindeutig. Heute, 20 Jahre später, käme niemand mehr auf die Idee, die Verteilung der Sammlungsbestände auf andere Museen vorzuschlagen. Die Daseinsberechtigung des Hauses steht außer Zweifel. Nicht zuletzt der Kunstboom Berlins bescherte der Berlinischen Galerie diesen Auftrieb.

Auch in den letzten elf Monaten, während der Schließung des Hauses zwecks Sanierung, stellte niemand solche Grundsatzfragenn. Im Gegenteil, die Berlinische Galerie fehlte in dieser Zeit offenkundig im Ausstellungsangebot der Stadt. Die jetzige Wiedereröffnung führt ihre Notwendigkeit erneut furios vor Augen, mit Björn Dahlems Installation „Mare Lunaris“, Bernhard Martins Präsentation anlässlich der Verleihung des Fred-Thieler-Preises, vor allem aber durch die großartige Ausstellung „Radikal modern“ zur Architektur der sechziger Jahre in beiden Teilen Berlins.

Hier ist zu sehen, was Städteplaner gerade heiß diskutieren, was in der Mode, dem Film, der Kunst längst en vogue ist: das Revival eines bislang mehr gehassten als geliebten Jahrzehnts. Hier lässt sich vergleichen, analysieren, verstehen, worin die Qualität einer brutalistischen Architektur besteht, welche Visionen damals scheiterten, was für Schätze noch immer existieren und geschützt werden müssen. Die Berlinische Galerie ist endlich wieder da. Keine Frage, sie wird gebraucht – zumal in Zeiten, in denen die Nationalgalerie mit ihren Dependancen – Mies-van-der-Rohe-Bau, Friedrichswerdersche Kirche und in Teilen das Museum Berggruen – wegen Sanierung geschlossen sind.

Sechs Millionen Euro hat die Sanierung gekostet

Es ist also ein Glück, das Haus wiederzuhaben, auch wenn sich rein äußerlich nicht viel verändert hat. Die marode Sprinkleranlage musste ausgewechselt werden, wegen des anfallenden Abfalls wurde der gesamte Bilderbestand ins Depot gebracht. Das bedeutete einen aufwendigen Umzug im eigenen Haus. Auch die Beleuchtung wurde erneuert, sonst geschah baulich nichts weiter. Immer noch dominiert die hässliche, sich kreuzende Treppe den Hauptsaal, immer noch besitzt die im ersten Stock allzu tief hängende Decke mit ihren Lochplatten den Charme eines Klassenzimmers und nicht den Appeal eines Museums. Es hilft nichts. Die Berlinische Galerie logiert nun einmal im ehemaligen Glaslager der Stadt. Auch beim zweiten Anlauf seit dem Einzug vor elf Jahren lässt sich offenbar kein Schick hineinzaubern, auch wenn die jetzige Sanierung sechs Millionen Euro gekostet hat.

Buchstabenband. Der Haupteingang der Berlinischen Galerie in neuem alten Look.
Buchstabenband. Der Haupteingang der Berlinischen Galerie in neuem alten Look.Foto: Nina Straßgütl

Ausstellungsarchitekt David Saik versucht dennoch das Beste. Die Präsentation der Sammlung im Obergeschoss hat zwei neue Säle zugeteilt bekommen, die Farbgebung der Wände wurde geändert. Mit den matten Grau-Braun-Beige-Tönen schleicht sich jedoch eine gewisse Tristesse ein, obwohl der Bilderreigen der Jahre 1880 bis 1980 auf diesem Fond eigentlich strahlen sollte. Berlin haut künstlerisch kräftig auf die Pauke, hier kommen Impressionismus und Expressionismus zur Blüte, hier ist der Nährboden für Konstruktivismus, Dada, Neue Sachlichkeit. Und im Schatten der Mauer gedeiht schließlich die Heftige Malerei. Und doch scheint alles unter einer urbanen Bedrückung zu leiden. Selbst auf Leistikows herrlichen Grunewaldseen lastet eine Schwermut. Das Leben in der Stadt ist keineswegs lustig, weder für die Einwohner noch für die Maler.

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