Das Blechbläserensemble WorldBrass : Reiselustig

Von Mendelssohn bis Gershwin: Die Blechbläser von WorldBrass feiern im Berliner Kammermusiksaal den 20. Geburtstag ihres Ensembles.

Tomasz Kurianowicz
Weltblech: Das WorldBrass Ensemble, jedenfalls zu Teilen...
Weltblech: Das WorldBrass Ensemble, jedenfalls zu Teilen...Foto: Julia Baier/Promo

Seit 20 Jahren arbeitet das Blechbläserensemble WorldBrass schon zusammen – und feiert das Jubiläum im Kammermusiksaal jetzt mit einem Neujahrskonzert zum Thema Reisen. Die Kompositionen: so verschieden und polyfon wie die zehn Musiker, die aus Deutschland, Luxemburg, Norwegen oder etwa von den Färöer Inseln stammen. Los geht's mit einem Arrangement von Mendelssohns „Hebriden“. Anfangs erstaunt noch der klangmalerische Reichtum dieser Hommage an die schottische Inselgruppe. Doch dann mischen sich Ungenauigkeiten in die Musik, die Linien aus Unter- und Oberstimmen scheinen sich zu vermischen.

Bei den „Danses Concertantes“ von Theo Brandmüller funktioniert das Zusammenspiel wesentlich besser: Das polyfone Werk, keck und provokativ, bietet viel Raum für jazzige Doppel-Soli und gelungene Dreier-Arrangements zwischen Trompete, Posaune und Tuba, sodass sich die rhythmische Kraft des Ensembles erst richtig entfalten kann. Beim „Londoner in New York“ von Jim Parker gelingt die Kommunikation ebenso gut: Die Blechbläser beschwören das Gefiepe und Gepuste einer Lokomotive in der Central Station herauf, imitieren die Besinnlichkeit des Central Parks und ziehen rumpelnd und polternd in die legendäre „Radio City Music Hall“ ein.

Schlagzeuger Barry Jurjus springt wie ein Hase zwischen seinen Instrumenten herum

Besonderen Eindruck hinterlässt der Schlagzeuger Barry Jurjus aus den Niederlanden, der an diesem Abend springen muss wie ein Hase – zwischen Xylofon, Glockenspiel, Pauke und Schlagzeug. Das ist auch bei Wijnands van Klaverens „Berliner S-Bahn-Fahrt“ nicht viel anders, die eigens für das Ensemble komponiert wurde und sich als intelligente Neuinterpretation von bekannten und doch kaum wiederzuerkennenden Schlagern wie „Berliner Luft“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“ entpuppt. Der Trompeter und Ensemblechef Christopher Dicken will das Konzert nach George Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ beenden, doch das Publikum lässt ihn nicht gehen. Also gibt es drei Zugaben, bis die letzte Trompetenfanfare erklingt.

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