Der Film zum Spiel : Angry Birds: Alle paar Minuten Silvester

Im Handy-Spiel „Angry Birds“ greifen aggressive Vögel Schweine an. Am Donnerstag kommt der Film – und könnte ein popkulturelles Evergreen begründen.

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Frieden schaffen mit immer weniger Vögeln. Red wird von den Schweinen als Vogelschleuder-Testperson missbraucht. Foto: Sony Pictures
Frieden schaffen mit immer weniger Vögeln. Red wird von den Schweinen als Vogelschleuder-Testperson missbraucht.Foto: Sony Pictures

Wer sich gern und oft viel zu lang mit dem Computerspiel „Angry Birds“ beschäftigt, dem dürften diese Fragen des Öfteren in den Sinn kommen: Warum sind die bunten Comic-Vögel eigentlich so wütend? Warum machen sie dauernd Jagd auf die armen grünen und hilflosen Schweine, die sich hinter Kisten, zwischen Holzgerüsten oder unter Steinhaufen verstecken? Warum bringen sie ständig das Dynamit, das in den Schweine-Verstecken versteckt ist, zur Explosion? Und wer hat das eigentlich da versteckt?

Klar, die Vögel können nicht fliegen, das ist ärgerlich. Sie brauchen eine Schleuder, um die Schweine zu treffen und mit denen zusammen in den ewigen Jagdgründen zu landen. Und ja, auf manchen Ebenen entpuppen sich die Schweine als heimtückische Diebe, die mit komischen, die Eier der Vögel quasi ansaugenden Fahrzeugen herumfahren, auf der Erde und in der Luft. Auch das ist ärgerlich, aber reparabel.

„Angry Birds“ ist ein sehr simples Computerspiel, das ohne besonderes Narrativ auskommt. Es erfordert vor allem Geschick und Geduld beim Abschießen der Vögel und Suchen und Finden der richtigen Flugbahn – und macht am meisten Spaß, wenn so richtig viel von den fantasievollen Aufbauten im Schweinegehege explodiert und in die Luft geht. Alle paar Minuten Silvester, gewissermaßen.

Das Spiel wurde Ende 2009 von der finnischen Software-Firma Rovio auf den Markt gebracht und hat sich seitdem zu einem der erfolgreichsten Computerspiele aller Zeiten entwickelt, mit drei Milliarden Downloads weltweit. Die „Angry Birds“ sind inzwischen eine globale Marke wie die Disney-Figuren oder die Mumins. Man kann sie auf T-Shirts, Kapuzenpullis, Kissenbezügen, Limonade-Dosen oder Adventskalendern sehen, auch in Büchern und einer Cartoon-Serie, es gibt sie als Kuscheltiere und Fruchtgummis, und selbst „Angry Birds“-Freizeitparks wurden eingerichtet. Als „Teil der Popkultur“ versteht Rovio die Vögel – was allerdings zur Folge hat, die Popkultur auch immer wieder mit neuen Formaten füttern zu müssen.

Auf dem Weg zum popkulturellen Evergreen

Nach dem enorm schnellen Wachstum musste das Unternehmen, das in Espoo in der Nähe von Helsinki seinen Hauptsitz hat, Rückschläge verkraften, inklusive Entlassungen von Mitarbeitern: Neue Rovio-Spiele waren bei Weitem nicht so erfolgreich wie „Angry Birds“, und auch „Angry Birds“-Variationen  wie „Angry Birds Seasons“, „Angry Birds Space“ oder „Bad Piggies“ kamen an das Original nicht heran. Immerhin scheint „Angry Birds 2“ – der erste richtige, 2015 an den Start gebrachte Nachfolger – Rovio den Erfolg zurückgebracht zu haben: zehn Millionen Downloads innerhalb einer Woche, tolle Landschaften, neue, herausfordernde Schwierigkeitsgrade. Wäre da nicht der sehr offensichtliche Versuch, den Spielern ständig Geld für Extras aus der Tasche zu ziehen oder sie Werbefilmchen anschauen zu lassen, das Spiel könnte noch erfolgreicher sein.

Der „Angry Birds“-Film, der 2013 geplant wurde und in Deutschland ab Donnerstag zu sehen ist, kommt zur rechten Zeit. Er könnte die wütenden Vögel endgültig zum popkulturellen Evergreen machen. Denn er ist nicht nur bunt und beschränkt sich bei Weitem nicht auf den Vögel-töten-Schweine-Plot. Stattdessen versucht er, gleich mehrere Geschichten zu erzählen. Entscheidend ist dabei natürlich der Auftritt der Schweine, die eines Tages mit ihrem Schiff im Paradies der Vögel erscheinen – ein Paradies, das noch bunter ist als das Teletubby-Land. Erst tun die Schweine so, als würden sie nur feiern und die Vögel mit Katapult und Schleuder bekannt machen wollen, dann aber stehlen sie deren Eier und begeben sich zurück in ihr Fort, um sich zu einem Festessen zu versammeln.

Doch vorher porträtiert der Film ausgiebig seine Helden, die allesamt zu den Außenseitern auf der ansonsten von ziemlich selbstzufriedenen Charakteren bewohnten Vogelinsel gehören. Die leicht angeknackst wirken, aber auch etwas Subversives haben. Allen voran Red, der selbst dann noch knuffig aussieht, wenn er seine Augenbrauen zusammenzieht. Red ist emotional unausgeglichen, ihm rutschen schon mal die Hände, oder besser: Flügelchen und Beinchen aus, weshalb er sich in psychotherapeutische Behandlung begibt.

Vögel beim Therapeuten - es reiht sich Witz an Witz

Hier, bei der weiß gefiederten Therapeutin Mathilde, trifft er seinesgleichen: Da ist Chuck, der gelbe Vogel, der häufig Trouble mit der Polizei hat; Bombe, der dicke schwarze Vogel, der noch mehr als Red zu grundlosen Wutausbrüchen und dann, klar, zum Explodieren neigt; und Terence, der noch dicker und größer als Bombe ist und noch finsterer dreinschaut, aber unter einem sehr kleinen Wortschatz und Depressionen leidet.

Red merkt als Erster, dass die Schweine Böses im Schilde führen, und als sich seine Vorahnungen bestätigen, wird er von der nun tatsächlich wütenden Vogelschar dazu bestimmt, den Angriff gegen die Schweine zu leiten. Bevor dieser beginnt, gibt es aber noch ein Zwischenspiel. Dieses führt Red, Chuck und Bombe zum Horst des „mächtigen Adlers“, des einzigen Vogels, der zumindest in einer grauen Vorzeit fliegen konnte.

So reiht sich in diesem Film gerade in seiner ersten Hälfte Einfall an Einfall und Witz an Witz, von „Early Birds/Worms“-Schildern an einem der Vogelhäuschen über „Hamnesty International“-Zeichen bis hin zu der Goldenen Schallplatte des Eagles-Albums „Hotel California“, die in der Ahnengalerie des Adlerhorstes hängt. Einen Seitenhieb auf die NSA allerdings haben sich die Produzenten des Films verkniffen, obwohl doch mit den Enthüllungen von Edward Snowden bekannt wurde, dass die NSA sich auch mit der „Angry Birds“-App Zugang zu Daten verschaffte.

Der Showdown ist ein recht langer. Dabei kommen all die auf ihre Kosten, die es vor ihren Handys und Tablets am liebsten krachen lassen – und denen noch der eine oder andere ihrer Lieblinge fehlt: etwa der Pelikan, der beim Spielen wie ein Bumerang zu behandeln ist; und auch die drei kleinen blauen Piepmätze, die stets aus einem Ei schlüpfen, sind auf einmal da und sorgen für Friede und Eierkuchen.

Am Ende fehlen nur die Affen – die Widersacher der „Angry Birds“, wenn die Schweine im Spiel mal Pause machen. Man muss kein Prophet sein, um sehen zu können, dass die Affen eine Hauptrolle in einem Sequel spielen werden.

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