DESSAU/BRECHT NEU GEPRÜFT„Die Verurteilung des Lukullus“ : Gourmet vor Gericht

Carsten Niemann

Es ist ein besonderer Fall von dramatischer Ironie: Mit der Neuinszenierung ihrer 1951 uraufgeführten Oper „Die Verurteilung des Lukullus“ steht Paul Dessau und Berthold Brecht ein ähnlich strenges Verfahren bevor wie dem Titel- und Antihelden ihres Werks. In der Oper sitzt die Totenwelt über den berühmten Feldherr und sprichwörtlich gewordenen Gourmet Lukullus zu Gericht. Sie untersucht den Schaden und Nutzen seiner Taten.

Bei der Neuinszenierung des Werks an der zunehmend für ihr junges Publikum bekannten Komischen Oper werden es aber auch die Nachgeborenen sein, die über Komponist und Textdichter neu zu entscheiden haben. Denn ebensowenig wie Lukullus bei seinem Verfahren der erhaltene Triumphfries mit seinen in Stein gemeißelten Heldentaten nützt, können sich Dessau und Brecht im Jahr 18 nach der Wende noch darauf berufen, dass ihr Werk zum Pflichtkanon im Schulunterricht der DDR gehörte. Und auch nicht darauf, dass ihr Stück mit der Formalismusdebatte eine der heftigsten kulturpolitischen Auseinandersetzungen im sozialistischen Staat auslöste. Um so gespannter darf man auf das Plädoyer der 1966 in Hamburg geborenen Regisseurin Katja Czellnik sein. Die ist von der theatralischen Kraft des Stücks überzeugt, bei dem sich böser Weise nicht nur der Verurteilte, sondern auch die Richter als ambivalente Charaktere erweisen. Die Chancen, dass neben der Frage nach Verantwortung des Einzelnen auch Dessaus Musik mit ihrem merkwürdigen Changieren zwischen reduzierter Theatermusik und großer Operngeste in den Blick rückt, stehen gut. Denn gebrochene Charaktere sind nun mal besonders spannend. Carsten Niemann

Komische Oper, So 25.11. (Prem.), 19 Uhr, ab 12 €

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