• Farin Urlaub über neues Album "Faszination Weltraum": „Da geht's um Tod! Uiuiui!“

Farin Urlaub über neues Album "Faszination Weltraum" : „Da geht's um Tod! Uiuiui!“

Farin Urlaub, der eigentlich Jan Vetter heißt, braucht keine Verzweiflung um Musik zu machen. Im Interview sprach der Sänger der Punkband Die Ärzte über Songtexte, gute Laune und sein neues Album "Faszination Weltraum".

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Farin Urlaub im Football-Dress.
Powerpaket: Farin Urlaub heißt eigentlich Jan Vetter und kam 1963 in West-Berlin zur Welt. Zusammen mit Schlagzeuger Bela B....Foto: Olaf Heine

Herr Urlaub, warum stopfen Sie eigentlich immer so viel Text in jede Songzeile? Sind Sie heimlich Rap-Fan?
Ich hab eben etwas zu sagen! Relevante Dinge. Nein, rappen will und kann ich nicht. Ich weiß, an Rap wird heute textmäßig alles gemessen, in den Siebzigern hätte auch ein Dreizeiler gereicht, den man immer wiederholt. Aber ich mache lieber Rockmusik und kann da die Zeilenlänge glücklicherweise selbst beeinflussen, damit das alles gerade so reinpasst.

Wollten Sie auch mal etwas anderes aus Sprache basteln als Songtexte?
Ja, ganz früher hatte ich richtig Ehrgeiz, ich habe sogar mal ein Buch angefangen, wollte in Richtung „Tristram Shandy“: 100 000 Geschichten in einer, wow! Ich bin ungefähr bis Seite zehn gekommen. Anlässlich der Reise-Fotobücher, die ich seit ein paar Jahren mache, habe ich gemerkt, dass längere Texte eine Quälerei für mich sind. Ich bin für das Dreieinhalbminutenformat gemacht. Außerdem will ich die Leute ja nicht zu sehr zuscheißen. Musik reicht doch wohl.

Neben textlastigem Rock haben Sie auf Ihrem neuen Album „Faszination Weltraum“ eine Menge Backgroundgesang, Streicher, Orchesterarrangements versteckt.
Das merkt doch keiner! Ich höre tatsächlich viel Klassik, als Erstes geht es mir aber immer um die Komposition. Und dann um das Arrangement: „L’été indien“ von Joe Dassin zum Beispiel ist ein unfassbar arrangiertes Stück. Ich habe mir für mein Album gleich eine Trompetenfigur daraus geborgt.

Schreiben Sie die Arrangements für die Nicht-Rockband-Instrumente selbst?
Ja, ich nehme sie auf, und jemand anders übersetzt sie für die Streicher. Ich weiß inzwischen einigermaßen, welchen Tonumfang Streicher und Bläser haben. Das Schreiben dauert zwar bei mir ziemlich lange, macht mir aber viel Spaß.

Beherrschen Sie neben Gitarre und Schlagzeug noch andere Instrumente?
Klavier würde mich reizen, aber andererseits ist das Leben so verdammt kurz. Da lern ich doch lieber Sprachen.

Apropos Lebensqualität: Sie leben ja vorbildlich gesund. Sind Sie fitter als gleichaltrige Rockmusikkollegen?
Nee, und das wäre mir auch egal. Klar höre ich jedem zu, der sich über seinen Zustand beschwert, und gebe ungefragt dufte Tipps. Ich glaube aber, dass es mir so gut geht, hat weniger mit meinem Lebenswandel zu tun, sondern mit meinem Glück beim Körperroulette.
Aber dann bräuchten Sie ja nicht mal gesund zu leben.
Das predige ich auch nicht. Ich mach das nur so, weil mich das andere einfach nicht interessiert.

Ihre Platte klingt wieder sehr gut gelaunt.
Aber das letzte Stück „Immer dabei“ ist doch ganz schön düster! Da geht’s um Tod! Uiuiui!

Also halten Sie nichts von der Theorie, dass man Verzweiflung braucht, um kreativ zu sein?
Nee. Und wenn ich verzweifelt wäre – das war ich tatsächlich auch schon öfter –, würde ich als Letztes daran denken, Musik zu machen. Ich glaube, das ist nur der Wunsch mancher Künstler, zu überhöhen, was sie tun, dem Ganzen eine gewisse Dramatik zu geben. Ich setze mich natürlich auch nicht hin und schreibe auf Bestellung Songs. Meistens entstehen sie aus Ideen, die ich vorher gesammelt habe. Bei der Weiterarbeit kommt die Inspiration für etwas Neues.

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