Kultur : Frankreich sucht den Superkerl

Erst Bankangestellter, dann Zuhälter: „Le Mac“

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Foto: Kinostar
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Dass der Zwilling des Bankers der Bankräuber, der Zwilling des Kapitalisten der Kriminelle ist, das ist in Zeiten von Lehman-Pleite und Madoff-Skandal ein vertrauter Gedanke. Zumindest theoretisch. Als der brave Bankangestellte Gilbert Chapelle aber feststellt, dass er einen leibhaftigen Zwillingsbruder hat, ist er doch überrascht, dass es sich um einen tätowierten, kokainfreudigen Zuhälter handelt. Dieser Ace ist zudem Informant der Polizei – und weil er vor einem besonders heiklen Deal verschwunden ist, zwingt die Polizei nun den Zwillingsbruder, in die Mackerhaut zu schlüpfen.

Der unbedarfte Zwilling, der seinen Bruder ersetzen muss: Das Motiv ist nicht neu – und zuletzt etwa von Chris Rock in „Bad Company“ (2002) zelebriert worden. Im französischen Kinoklamauk „Le Mac“ („maquereau“ heißt Zuhälter) macht es vor allem Spaß, der Verwandlung vom Banker zum Bad Boy zuzuschauen. José Garcia gibt Chapelle eine wahnwitzige Körperlichkeit. Schließlich muss er sich nicht nur tätowieren lassen und die drei Gespielinnen führen, die nachts um seine Aufmerksamkeit buhlen. Sondern vor allem lernen, richtig zu stehen, richtig zu gehen, richtig zuzuschlagen.

Das hat etwas von „Frankreich sucht den Superkerl“. Natürlich ist Chapelle so wenig Macho, wie die BohlenGeschöpfe Superstars sind. Aber gerade das passt: Chapelles einziger Ausbruch besteht darin, dass er nachts im Fahrstuhl Discohits mitsingt. Da kann schon mal Sehnsucht aufkommen nach einem Kerl wie Ace, der morgens seinen Kampfhund mit einer Kopfnuss k.o. schlägt.

Auch filmisch orientiert sich Regisseur Pascal Bourdiaux an den Machos. Mit Anleihen bei Tarantino und Stallone erzählt er vor der sonnigen Kulisse Marseilles, wie Polizisten und Ganoven Chapelle vor sich hertreiben, gerade so wie das vibrierende Handy anfangs ein Häufchen Kokain über den Glastisch schiebt. Dass der Schwächling den kriminellen Kern in sich entdeckt, überrascht allerdings wenig. Schließlich folgt dies der Logik einer Art Prä-Adoptions-Diagnostik: Um zu entscheiden, welchen der Zwillinge sie abgibt, wirft Chapelles Mutter (großartig: Carmen Maura) einen Geldschein in die Luft. Das Baby, das den Geldschein greift, Ace, ist das Auserwählte, das andere eine Niete. Es lernt das Zugreifen auch, nur später. Kai Kupferschmidt

Cinemaxx Potsdamer Platz, Colosseum

und Cinestar Hellersdorf

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