Friedrich der Große : Jedem seinen König

Ob Zinnfigur, Statuette oder Werbe-Ikone: Der Preußenkönig war im Alltag schon immer präsent – bis heute. Das Deutsche Historische Museum widmet ihm eine Ausstellung.

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Standbild für die Raucher. Eine Reiterstatuette ziert eine Tabaklade, Preußen nach 1778. Berlin, DHM.Alle Bilder anzeigen
Foto: Arne Psille
20.03.2012 18:44Standbild für die Raucher. Eine Reiterstatuette ziert eine Tabaklade, Preußen nach 1778. Berlin, DHM.

Wie Widergänger wandeln sie am Berliner Brandenburger Tor oder im Park von Schloss Sanssouci in Potsdam herum. Sie tragen einen blauen Rock mit roten Umschlägen, die graue Lockenperücke wird von einem Dreispitz bekrönt, im Gesicht klebt eine knollige Nase. Die Männer schlüpfen in die Rolle von Friedrich dem Großen. Sie warten auf Touristen, Fotoapparate, Kleingeld. Doch wer glaubt, dass das die einzige Möglichkeit ist, dem Alten Fritz im Alltag zu begegnen, der irrt. Erst im vergangenen Jahr landete eine ganz possierliche Version des Monarchen in den Regalen der Spielzeugläden: 40 Zentimeter groß, mit einer plüschigen Nase und weichem Fell: Steiff hat einen Friedrich-Teddy aufgelegt, Auflage 1000 Stück, ein Sammlerobjekt.

Das ist der Preußenkönig schon lange. Die Ausstellung „Friedrich der Große – verehrt. verklärt. verdammt“ im Deutschen Historischen Museum (DHM) führt die Besucher ins Kinderzimmer, an Wohnzimmer-Vitrinen und Litfasssäulen. Friedrich als Spielfigur, als Abenteuerroman-Held, als Souvenir und Werbefigur.

„Die Popularisierung begann sofort nach seinem Tod“, sagt Thomas Weißbrich, Experte für Militaria und Mitkurator der Schau, „spätestens im neuen Kaiserreich wurde er zur zentralen Identifikationsfigur.“ In Friedrich sah man den Wegbereiter des preußisch-deutschen Nationalstaats.

So tauchte Friedrich als kleine Statuette auf den bürgerlichen Schreibtischen und Kaminsimsen auf, zu Pferde oder zu Fuß. Die Qualität der Arbeiten reichte von künstlerisch wertvoll bis kitschig, von Bronze bis Porzellan. Gerne wurden diese Figürchen und Büsten auch verschenkt. In militärischen Kreisen war es bis in die 1930er Jahre üblich, dass der Regimentskommandeur Offizieren ein Miniatur-Reiterstandbild überreichte.

Auch Sammeltässchen mit dem Porträt des Königs waren als Präsent beliebt. Schon zu friderizianischen Zeiten sammelte man Tabakdosen aus Iserlohn, die fast schon industriell und in hohen Stückzahlen hergestellt wurden. Die Reliefs auf den Messingdeckeln zeigten entweder das Konterfei Friedrichs oder Szenen aus dem Siebenjährigen Krieg. Nicht zuletzt benutzte der König selbst sehr gerne diese Art von Döschen, er bewahrte darin seinen Schnupftabak auf. Wie sehr er diesen Genuss liebte, zeigt übrigens sein abgetragener Rock mit Schnäuz-Spuren. Er ist in der Ständigen Ausstellung im DHM zu sehen.

Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Geschichte Friedrichs des Großen auch für Kinder und Jugendliche aufbereitet. Er galt als vorbildlicher Herrscher und war Held großer Abenteuerromane, die sich großer Beliebtheit erfreuten und immer wieder neu aufgelegt wurden. „Der alte Fritz in fünfzig Bildern“ richtete sich an Jugendliche und Erwachsene. Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich hatte diesen Bildband in Auftrag gegeben, der „die große Zeit der friderizianischen Epoche dem modernen Geschlechte wieder lebendig vor Augen“ führen sollte. Die großformatigen Lithographien zeigten Kriegsszenen, Alltägliches und immer wieder die sympathische Volksnähe des Monarchen. Mindestens genauso gern gelesen wurde der bereits 1840 erschienene Band „Geschichte Friedrichs des Grossen“ von Franz Kugler mit Illustrationen von Adolph Menzel.

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