Friedrich und Polen : Ablehnung und Verachtung

Friedrichs Haltung zu Polen blieb in der deutschen Forschung lange unbeachtet – dabei ist Polen ein Erbe der Überreste Preußens.

Hans-Jürgen Bömelburg
Ein Denkmal für den polnischen Reichstagsabgeordeneten Dziembowski, flankiert von Friedrich und Bismarck. Karikatur von Ludwik Nawojewski (1864-1930), um 1910. Zygmunt Dziembowski (Mitte) war ein Verteidiger der polnischen Minderheitenrechte im Kaiserreich, wurde jedoch von der jüngeren Generation der polnischen Politiker als wirkungslos kritisiert. Auf dem Sockel von Dziembowski steht „Dem Dziembowski. Die dankbaren Preußen.“.
Ein Denkmal für den polnischen Reichstagsabgeordeneten Dziembowski, flankiert von Friedrich und Bismarck. Karikatur von Ludwik...Foto: Muzeum Karikatury

1752 – Friedrich II. regierte in Preußen zwölf Jahre und hatte die Annexion Schlesiens in zwei Kriegen verteidigen können – befand sich Mitteleuropa im Frieden. Der König entwarf jedoch in seinem „Politischen Testament“, einer Mischung aus Selbstreflexion und Ratschlägen für seinen Nachfolger, Eroberungspläne Richtung Polen: „Ich glaube nicht, dass ein Waffengang das beste Mittel wäre, diese Provinz dem Königreich hinzuzufügen, und ich bin geneigt, Euch das zu sagen, was Victor Amadeus, König von Sizilien, Karl Emanuel zu sagen pflegte: ‚Mein Sohn, man muss Mailand verzehren wie eine Artischocke, Blatt für Blatt'. Polen ist ein Wahlkönigtum; beim Tode seiner Könige ist es durch Parteien immerwährend beunruhigt. Dann ist es Zeit, daraus Nutzen zu ziehen, und durch unsere Neutralität bald eine Stadt, bald einen anderen Bezirk zu gewinnen, bis alles geschluckt ist.“

Polen wie eine Artischocke verzehren und Schritt für Schritt annektieren – dieses Bild erfand Friedrich, wie auch andere Zitate, die er Dritten in den Mund legte, wohl selbst. Und es sollte sich bewahrheiten. Keine 50 Jahre später hatte sich der preußische Staat durch die Eingliederung von Teilen Polens mit etwa 150 000 km² in seiner Größe verdoppelt, 40 Prozent der preußischen Untertanen sprachen polnisch, Warschau war die zweitgrößte Stadt und die preußischen Grenzpfähle standen an den Grenzen von Grodno (Belarus) und Kaunas (Litauen). Erst diese Annexionen, die 1815 gegen die Rheinprovinz eingetauscht wurden, ermöglichten das Hineinwachsen nach Deutschland und machten Preußen zu einer Großmacht.

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