Kultur : Gestrandet

Ach, Tati: Pascal Rabatés „Holidays by the Sea“.

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Hier hat sich jemand gewaltig verhoben. „Holidays by the Sea“, der zweite Kinofilm des französischen Comiczeichners Pascal Rabaté, schielt in Sujet und Machart unverhohlen auf Jacques Tatis „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (1953). Wie das Vorbild kommt Rabaté bei seinem Sommersitten-Panoptikum ohne Dialoge aus. Allerdings vertraut er der suggestiven Geräuschkulisse nicht völlig, so dass immer wieder plump illustrative Filmmusik zum Einsatz kommt. Erzählt werden die lose verknüpften Ferienerlebnisse von rund 20 Protagonisten, dargestellt unter anderem von Dominique Pinon, Jacques Gamblin und Maria de Medeiros.

Offensichtlich hat Rabaté die einigermaßen gewagte Idee verfolgt, Tatis Komik nicht nur zu zitieren, sondern sogar übertreffen zu wollen. Während in „Monsieur Hulot“ ein Alltagsszenario erst allmählich ins Absurde kippt, setzt Rabaté von Anfang an auf geballte Skurrilität: Landstraßenwettrennen zwischen winzigen Elektromobilen, ein dickes Ehepaar in einem Miniaturcampinghäuschen, sadomasochistische und ehebrecherische Sexeskapaden, Angezogene im Nudistenclub – der Humor schlägt stets mit dem Holzhammer zu. Zudem prägt den Film eine spießige Fünfziger-Jahre-Moral, die er durch Vulgarität zu kaschieren sucht. Das alles ist umso trauriger, als handwerkliches Können und exquisite Bildkompositionen in manchen Szenen andeuten, dass hier durchaus eine große Komödie drin war. So aber verhält sich dieser Film zu Jacques Tati ungefähr wie Mario Barth zu Loriot.Jörg Wunder

Im Kino Eiszeit

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