• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

HAU-Projekt auf dem Flughafen Tempelhof : Ein Feld für die Welt

29.05.2012 00:00 Uhrvon
Parcours für Flaneure. An insgesamt 15 Stationen setzen sich Künstler und Performer mit der Geschichte der großen Expos auseinander. Hier der Pavillon des Dokumentartheatermacher Hans-Werner Kroesinger, der sich mit der Historie des Flugfelds selbst befasst.Bild vergrößern
Parcours für Flaneure. An insgesamt 15 Stationen setzen sich Künstler und Performer mit der Geschichte der großen Expos auseinander. Hier der Pavillon des Dokumentartheatermacher... - Foto: raumlaborberlin

Bummel durch die Pavillons: Als eines der großen Abschiedsprojekte von Intendant Matthias Lilienthal veranstaltet das HAU eine kritische „Große Weltausstellung“ im Tempelhofer Park.

Eine Weltkugel gehört immer dazu, schließlich geht es hier um eine Nationenschau mit universellem Anspruch. Und ein Riesenrad muss dabei sein, schließlich ist das Ereignis nicht zuletzt ein Volksvergnügen mit Jahrmarktscharakter für die Massen. „Große Weltausstellung“ – den Titel dürfen sich die Ausrichter erst anheften, wenn sie die Marke von 40 Millionen Besuchern geknackt haben.

Heute heißt die Veranstaltung Expo, Exposition Mondiale. Aber am Grundkonzept hat sich nicht viel geändert, seit 1851 im Londoner Hyde Park der Kristallpalast seine Türen öffnete und den Schaulustigen den ganzen Globus unter einem Dach versprach: die erste Weltausstellung.

Seit 1867 kennt man das Prinzip der Länderpavillons, meist Bauten, die den State of the Art demonstrieren sollen. Auf Architektur gewordenen Fortschritt legen die teilnehmenden Nationen noch immer Wert. Die Frage bleibt dennoch: Weltkugel oder Seifenblase?

Es ist kaum wahrscheinlich, dass sich 40 Millionen Menschen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof drängen werden. „Große Weltausstellung“ haben die Macher des Kreuzberger Theaterkombinats HAU ihr gewaltiges Freiluftvorhaben trotzdem genannt, im Übertitel „The World Is Not Fair“ – ein Wortspiel mit dem englischen Doppelklang von Messe und Gerechtigkeit. Es ist eins von zwei großen Abschiedsprojekten des scheidenden künstlerischen Leiters Matthias Lilienthal. Die Gegen-Weltausstellung auf dem Tempelhofer Feld wird sich kritisch, ironisch und künstlerisch mit der Historie der internationalen Leistungsschau auseinandersetzen. Sie okkupiert mit Freude am Widerspruch ein Auslaufmodell – die wahren Innovationen werden ja längst im Netz präsentiert, nicht in der Messebude.

Was früher der Schaufensterbummel war, ist heute das Kite-Surfen auf der Landebahn

15 Pavillons für die Performances und Installationen der beteiligten Künstler und Gruppen säumen das Feld. Das HAU hat sich in Lilienthals neunjähriger Amtszeit stets als Stadt-Theater im wörtlichen Sinn verstanden, jetzt wird der urbane Raum noch einmal erobert. Weder der Ku’damm noch Mitte seien das Zentrum Berlins – für den wahren Knotenpunkt hält Lilienthal in der Saison von April bis September vielmehr den Schlenderboulevard Tempelhof, auf dem sich Zehntausende herumtrieben: „Was bei meinen Eltern der Schaufensterbummel war, ist heute das Kite-Surfen auf der Landebahn.“ Entsprechend nennt er als Impuls für das Event auf der Flanierbrache seine „Lust am Populistischen“. Da käme, scherzt Lilienthal, der Harald Juhnke in ihm durch.

Tempelhof sei „die große innerstädtische Fläche im Umbruch“, findet auch Benjamin Foerster-Baldenius, Architekt des Experimentierbüros raumlaborberlin, das für Konzept und Gestaltung verantwortlich zeichnet. Die Stadtdenker sind dem HAU verbunden, unter anderem haben sie für Lilienthal den Palast der Republik geflutet und ein Kreuzberger Nahverkehrssystem entworfen.

Foerster-Baldenius steht auf dem Dach des „Pavillons der Weltausstellungen“. Eine Art Infozentrale, wo in Zusammenarbeit mit dem Künstler Erik Göngrich die Ergebnisse der mehrmonatigen Recherche über das Wesen der Expos zusammengetragen sind, die Foerster-Baldenius zusammen mit seinem Planungspartner Matthias Rick angestellt hat. Tragischerweise starb Rick Ende April bei einem Unfall, ihm ist das Projekt jetzt gewidmet.

Alle Folgen von Jam’in’Berlin

Tagesspiegel twittert

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen aus der Kultur

Service

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Alle Tickets für Berlin und Deutschland bequem online bestellen!

Tickets hier bestellen | www.berlin-ticket.de