Iggy Pop : "Von Hunden kann man viel lernen"

28.07.2012 15:56 Uhr
Die Zigaretten sind geraucht. Iggy Pop hält sich mit Schwimmen fit. Foto: Virgin Music Germany
Die Zigaretten sind geraucht. Iggy Pop hält sich mit Schwimmen fit. - Foto: Virgin Music Germany

Punk trifft Chanson: Ein Gespräch mit Iggy Pop, der am Sonntag mit den Stooges beim Greenville Music Festival in Brandenburg auftritt.

Herr Pop, Sie sind im April 65 Jahre alt geworden. Wenn Sie sich an Ihre Jugend erinnern, was nervte damals am meisten?

Finanzielle Unsicherheit war mein Hauptproblem. Und die elementaren Kräfte der Schönheit.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Besuch in Berlin?

Ja, das muss 1976 gewesen sein. Es wirkte auf mich so, als ob es verschiedene Berlins gab. Eines dieser Berlins war eine ausgedehnte Metropole, die überraschenderweise Seen und Wälder umfasste. Ein anderes Berlin war das innerstädtische Zentrum mit seinen linksradikalen Studenten und westdeutschen Kriegsdienstverweigerern, mit seinen S- und U-Bahnen – ich fuhr immer am liebsten S-Bahn.

Waren Sie auch im Ostteil der Stadt?

Ich liebte es, dorthin zu fahren. Im Osten gab es damals Reklame ohne Markennamen! Meine liebste war eine große, an einer Hauswand befestigte Neon-Milchflasche. Darauf stand einfach: „Trinkt Milch!“ Es wirkt heute lustig, aber nur, weil der zügellose Kapitalismus uns konditioniert hat. Denken Sie mal darüber nach! Meinen Lieblingsstadtteil nannte ich immer „den übrig gebliebenen Teil“. Dort gab es Menschen, die aus einer anderen Zeit zu stammen schienen. Ich erinnere mich an eine Truppe sehr alter Menschen, die unglaublich gutes schwules Kabarett machten. Und ich erinnere mich an diese superpraktischen, seelenlosen Plattenbauten, in denen all die kleinen Christiane-F.-Menschen lebten. In Berlin ließen mich die Leute in Ruhe, ich bekam nichts aus den USA mit, es war großartig.

Eine politische Frage: Haben Sie jemals öffentlich die amerikanische Nationalhymne gesungen?

(lacht) Ich habe sie tatsächlich zwei oder drei Mal geprobt, denn vor ein paar Jahren sollte ich sie einmal vor einem Baseballspiel singen. Ich fragte mich, ob ich den Scheiß singen kann. Und siehe da: Ich kann.

Aber aufgetreten sind Sie damit nicht.

Nein. Ich wollte einfach nicht und außerdem war ich in Bulgarien oder so.

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