• Im Kino: das Stop-Motion-Spektakel „Kubo, tapferer Samurai“: Warte nicht, bis es dunkel ist

Im Kino: das Stop-Motion-Spektakel „Kubo, tapferer Samurai“ : Warte nicht, bis es dunkel ist

Ein japanischer Junge verzaubert im Film „Kubo“ mit seinen Erzählungen. Das Stop-Motion-Spektakel bietet originelle Abwechslung zur Hollywood-Standardkost.

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Ran! Der kleine Kubo, finster entschlossen zum nächtlichen Showdown.
Ran! Der kleine Kubo, finster entschlossen zum nächtlichen Showdown.Foto: Universal

„Wenn ihr blinzeln müsst, dann tut es jetzt!“ Mit diesen Worten schlägt Kubo die Zuhörer in seinen Bann, wenn er auf dem Dorfplatz zu seinen fantastischen Geschichten anhebt. Mit dem Erzählen verdient der japanische Junge den Lebensunterhalt für sich und seine kranke Mutter, mit der er außerhalb des Dorfs in einer Höhle am Meer lebt. Aber Kubo kann nicht nur packend erzählen, er hat sogar wahre Zauberkräfte: Mit seiner Shamisen, einem traditionellen Lauteninstrument, kann er Papier zum Leben erwecken und zur Begeisterung der Dorfbewohner seine Geschichten von Origami-Figuren nachspielen lassen. Doch über Kubo liegt ein Fluch. Wenn er nicht bei Einbruch der Dunkelheit zu Hause ist, droht er in die Gewalt seines Großvaters, des Mondkönigs, zu geraten.

„Kubo“ ist der vierte Streich des amerikanischen Laika-Studios, das sich auf die Produktion von Stop-Motion-Filmen spezialisiert hat. Im Gegensatz zu anderen Animationstechniken werden die Figuren dabei nicht gezeichnet oder im Computer berechnet, sondern als physische Modelle, als Puppen, hergestellt und zwischen den einzeln aufgenommenen Bildern minimal bewegt. Wegen der sichtbar von Hand bearbeiteten Formen und des durch die Einzelbildaufnahme leicht ruckelnden Bewegungsablaufs gilt die Stop-Motion-Technik unter Nostalgikern als liebenswert analoger Gegenentwurf zur vermeintlich seelenlosen digitalen CGI-Technik der großen Disney- und Pixar-Produktionen.

Dieses binäre Weltbild stößt im Fall der Laika-Filme allerdings schnell an Grenzen. Angefangen mit „Coraline“ (2009) hat das Studio das Verfahren immer weiter verfeinert und dabei durchaus auch digitale Hilfsmittel wie Greenscreens und 3-D-Drucker eingesetzt. In „Kubo“ ist diese hybride Technik so weit ausgereift, dass kaum noch festzustellen ist, ob es sich um abfotografierte Modelle oder reine Computergrafiken handelt. Ein kurzer Clip im Abspann vermittelt einen Eindruck von der Arbeitsweise und dem atemberaubenden Aufwand, der dafür nötig ist. Beim Betrachten des Films ist davon jedoch, anders als bei herkömmlichen Stop-Motion-Filmen, absolut nichts mehr zu spüren.

Puristen werden den Charme des Handgemachten vermissen, aber auch sie können nicht bestreiten, dass Travis Knight, dem Sohn des Laika-Gründers Phil Knight, ein visuell eindrucksvolles Regiedebüt gelungen ist. Was auch daran liegt, dass er für seine im feudalen Japan angesiedelte Geschichte die Ästhetik klassischer Kunsttechniken Japans, etwa von Origami und Holzschnitten, geschickt miteinander verbindet. Dass dabei auch die Story ein wenig holzschnittartig geraten ist, sei verziehen. Zwar gleicht sie über weite Strecken der sattsam bekannten Heldenreise, funktioniert aber wunderbar als Parabel über Verlust, über Versöhnung und über das Geschichtenerzählen. Das macht „Kubo“ zu einer erfrischend originellen Abwechslung vom Hollywood-Standard – auch wenn der Film den Mainstream-Animationsfilmen in Sachen technischer Perfektion in nichts nachsteht.

In 21 Berliner Kinos; OV im Cinestar SonyCenter

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