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Intendantenwechsel an der Berliner Staatsoper : Mozarteums-Chef soll Jürgen Flimm ablösen

Am Mittwochmittag will Michael Müller über die Intendanz der Staatsoper informieren. Jürgen Flimm soll offenbar früher abgelöst werden als vorgesehen - von Matthias Schulz, dem Leiter des Salzburger Mozarteums.

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Jürgen Flimm auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper im April.
Jürgen Flimm auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper im April.Foto: dpa

Der Intendant der Staatsoper Berlin, Jürgen Flimm, steht offenbar vor seiner Ablösung. Am Dienstagabend lud die Kulturverwaltung überraschend für Mittwochmittag um 13.30 Uhr zur Vorstellung einer neuen Intendanz in die Staatsoper im Schiller Theater ein. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim wollen dann die Neubesetzung erläutern. Jürgen Flimm, 73, ist seit 2010 im Amt.

Dem Vernehmen nach handelt es sich bei seinem Nachfolger um Matthias Schulz, den derzeitigen künstlerischen und kaufmännischen Geschäftsführer des Salzburger Mozarteums. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es am Dienstagabend nicht. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1977, kennt Daniel Barenboim gut, unter anderem hat er Auftritte für dessen West-Eastern Divan Orchestra organisiert. Schulz studierte Klavier im Konzertfach in Salzburg und Volkswirtschaft in München; vor seiner Berufung ans Mozarteum im März 2012 arbeitete er als Konzertreferent und Leiter der Konzertplanung für die Salzburger Festspiele. Er gilt als ausgewiesener Mozart-Spezialist und erfahrener Konzertmanager. Unter anderem war er Projektleiter für „Mozart 22“ im Mozartjahr 2006, als bei den Festspielen alle 22 Bühnenwerke des Komponisten aufgeführt wurden. Ansonsten spielte Oper in seiner Biografie bisher weniger eine Rolle.

Die Stimmung in der Staatsoper war angespannt

Flimm hatte immer wieder betont, die Staatsoper noch zurück ins sanierte Stammhaus Unter den Linden führen zu wollen. Nach den aktuellen Planungen soll das Ensemble im Herbst 2017 dort den Spielbetrieb wieder aufnehmen können. Dass die Stimmung an der Staatsoper im Schiller Theater zuletzt angespannt war, ist ein offenes Geheimnis. Zudem gilt Flimm nach einem Schlaganfall 2013 als gesundheitlich angegriffen. Gleichwohl hatte sich der Intendant und Regisseur immer wieder bei Debatten um die Kultur eingemischt; zuletzt meldete er sich im Berliner Theaterstreit um die Castorf-Nachfolge an der Volksbühne im Tagesspiegel energisch zu Wort. Entscheidend für Flimms Ablösung wie für die angekündigte Neubesetzung dürfte vor allem die Frage der Harmonie mit Daniel Barenboim sein, der auch politisch stärksten Kraft an der Staatsoper.

Leitet er künftig die Staatsoper? Matthias Schulz, Jahrgang 1977, derzeit Chef des Salzburger Mozarteums.
Leitet er künftig die Staatsoper? Matthias Schulz, Jahrgang 1977, derzeit Chef des Salzburger Mozarteums.Foto: Imago

Michael Müller und Daniel Barenboim werden am Mittwochmittag wohl nicht nur Flimms Nachfolger bekanntgeben, sondern auch den Zeitpunkt des Wechsels. In der neuen Saison führt Jürgen Flimm gleich drei Mal Regie an der Staatsoper, bei Mozarts „Figaro“, Glucks „Orfeo ed Euridice“ und "Luci mie traditrici", einet Oper von Salvatore Sciarrino. Resultat einer Lawine von Zufällen, hatte Flimm das bei der Saisonvorstellung Ende April genannt. Vielleicht handelt sich es dabei schon um einen versüßten Abschied.

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