Justin Townes Earle im Quasimodo : Damals in Nashville

Zwei Gitarren, viel Country und intime Geschichten: Justin Townes Earle gibt im Berliner Quasimodo ein äußerst persönliches Konzert.

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Handlungsreisender mit Popzauber. Justin Townes Earle erzählt viel über sich, sein Leben - in Worten und Musik.
Handlungsreisender mit Popzauber. Justin Townes Earle erzählt viel über sich, sein Leben - in Worten und Musik.Foto: Bloodshotrecords

Das neue Album von Justin Townes Earle heißt „Kids In The Street“ und wurde von Mike Mogis produziert, einem Pop-Zauberer aus Omaha, der bei der Anfang des Jahrtausends wichtigen Indie-Band Bright Eyes mitspielte und unter anderem Alben von Julian Casablancas, Rilo Kiley und First Aid Kit den letzten Schliff verpasste. Mogis ist einer, der Melodien ausatmet, wenn man ihn nur machen lässt, und der auch Earles Songs offener gestaltete.

Im Quasimodo merkt man von dieser Klangbilderweiterung zunächst nicht viel, was vor allem an der Logistik liegt. Earle reist nur mit einem Begleitmusiker, der abwechselnd Gitarre und Pedal Steel bedient. Das führt zu einem wunderbar luziden Klangbild. Der Rock ist weg, Country übernimmt. Dass Earle einmal „Gold Watch And Chain“ von der Carter Family covert, passt gut. Vor allem aber führt es zu einer Entschleunigung, die vom Publikum des nur locker gefüllten Quasimodos dankbar aufgenommen wird an so einem heißen Tag. In den ersten Reihen setzen sich sogar einige Gäste auf den Boden. Als Earle nach einer halben Stunde einige Fremdkompositionen einstreut und Paul Simons „Graceland“ lachend als hippie shit ankündigt, scheint er kurz in ihre Richtung zu blicken.

Earles Witz tut die Entschleunigung keinen Abbruch, vielleicht ist es sogar so. Die intime Situation gibt ihm mehr Raum, seine zweite Kernkompetenz auszuspielen. Earle kann Geschichten erzählen. Am Anfang des Konzerts, das er mit „Champagne Corolla“ und „Maybe A Moment“ einläutet, zwei Liedern des neuen Albums, berichtet er davon, wie er mit seinen Freunden früher immer aus dem heimatlichen Nashville nach Memphis fahren musste, weil nur dort die Punk-Bands gastierten, die sie so liebten. Später erzählt er von Brooklyn und von Chicago, das er mit 17 verlassen musste, weil er den falschen Leuten Geld schuldete.

Immer wieder schimmert seine Biografie durch. Der berühmte Musiker-Vater Steve. Diverse Suchterkrankungen, die zu diversen Problemen führten. Aber auch das Familienleben, das bei ihm den Rock ’n’ Roll langsam zur Seite schiebt. Man hört ihm gerne zu, und man schaut ihn gerne an, wie er da steht in seinem grauen, leicht verbeulten Anzug und mit der runden Brille. Wären da nicht die Tätowierungen am Handgelenk und die Vorliebe für Four Letter Words, man würde ihn für einen Handlungsreisenden halten. Auf eine Art ist er das ja auch: Dem Mann kauft man alles ab.

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