Kultur : Knutsch!

Trash 2: Klaus Lemkes „Berlin für Helden“.

Lemke nun wieder. Scheint sich nicht verändert zu haben in den letzten 40 Jahren, seit er schiefe, schöne Filme mit scheeläugigen Mädchen machte, die sich in windige Italiener verlieben, wie Cleo Kretschmer in „Amore“. Oder in denen Halbstarke unter ihren Klarnamen spielten, wie in „Rocker“, Klaus Lemkes umfassendstem Erfolg, credibilitymäßig.

In „Berlin für Helden“ – der Film lief nicht auf der Berlinale, weswegen Lemke einerseits öffentlich eingeschnappt und andererseits stolz war, weil er „Papas Staatskino“ und dessen „Subventionsleichen“ (Tykwer, Herbig etc.) eh wie die Pest hasst – stolziert Saralisa (Saralisa Volm) scheeläugig und sexy durch die Hauptstadt, ihr auf den Fersen der windige kleine Italiener Barotti (Marco Barotti), und diverse weitere Klarnamen. Man knutscht und vögelt reihum, kokst, trinkt, torkelt von Kreuzberg nach Mitte und zurück, betrügt sich, prügelt sich und spielt am Gorki-Theater Kleist (vom Gorki sieht man allerdings nur den Bühneneingang und einen sympathischen Pförtner). Zwischendurch gibt es unglaubliche Dialoge, die den Darstellern einfach so rausgerutscht zu sein scheinen: „Hast du ein Handy? Ich hab so einen Hunger!“ – „Und jetzt willst du ein Handy essen?“– „Nein, ich wollte dir nur zeigen, wie toll ich Pizza bestellen kann.“

Früher hat Lemke Kinoklischees (cooler Mann, schöne Frau) platzen lassen, indem er Lokalkolorit, Authentizität und Unbeholfenheit mit nonchalanter Leckmich-Attitude unter das mischte, was er unter Nouvelle Vague verstand. Inzwischen dagegen sind die Klischees so oft geplatzt, dass sie in „Berlin für Helden“ wieder robust wirken: Kann die Frau, der alle unters Miniröckchen wollen, nicht mal aufhören, so desolat herumzuknutschen? Kann den Männern mal einer das Haargel klauen? Kann nicht mal jemand lachen?! Andererseits: geschenkt. Hollywoods Trash-Idealist Ed Wood hat auch nach jedem ersten Take „Perfect!“ gerufen. Und ist im Angorapulli zur nächsten Szene geschwebt. zy

Babylon Mitte, Eiszeit, Lichtblick

und Sputnik

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