Konzert: Mark Knopfler in Berlin : Der Sultan des Swing

Am Ende schwelgt er in Erinnerungen: Mark Knopfler spielte zwei Stunden fabelhafte Musik in Berlin - und auch eine Menge Hits aus Dire-Straits-Zeiten.

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Mark Knopfler spielt in der Mercedes-Benz Arena.
Mark Knopfler spielt in der Mercedes-Benz Arena.Foto: Davids/ Günter Peters

Dass die O2 World seit dem 1. Juli Mercedes-Benz Arena heißt, wie das Stuttgarter Fußballstadion, macht die unwirtliche Multifunktionssporthalle als Konzertsaal nicht attraktiver. Schon gar nicht für die vom Charakter eher ruhige, folkwurzelige Musik von Mark Knopfler. Zu Beginn rappelt es hallig. Schlagzeug, rhythmisches Klappern, Schüttelrohrgeschüttel auf der Bühne. Rhythmisches Klatschen und Jubel in der bestuhlten Halle. Ein Jahrmarktschreier schreit: "Ladieeees an gentlemeeen … please welcome Maaaark Knopfleer…" als wäre er ein Boxer. Aber das war's dann auch schon mit Rummelplatz-Schau.

Als primus inter pares bewegt sich der 65-jährige Knopfler im blassblauen Hemd und mit ausgewaschenen Jeans ganz bescheiden unaufdringlich zwischen seinen exquisiten Mitmusikern, zupft seine knallrote Stratocaster mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger und überlässt die ersten geschmackvollen Gitarrensoli seinem formidablen Mitstreiter Richard Bennett. "Broken Bones" sumpft schmatzend wie "Fingerprint File" der Stones und weckt gleichzeitig Erinnerung an "Cajun Moon" von J.J. Cale.

Lässig und entspannt

Wie überhaupt Knopflers entspannt weicher Gesang seit dem ersten Album mit den Dire Straits seine eigene Farbe aus der Palette von Cale und Dylan zusammenmischt. Nach jedem Song ist ein Gewusel auf der Bühne, Wechsel der Instrumente. Alle spielen fast alles. Zu Bass und Schlagzeug elektrische und akustische Gitarren, Piano, Orgel, Mandoline, Ukulele, Cittern, Tin Whistles, Flöten, Akkordeon. Knopfler schiebt auf einer Danelectro mit dem Bottleneck schneidend scharfe Bluestöne durch "Corned Beef City". Der keltisch angehauchte Song "Privateering" vom vorletzten Album verbindet zu Akustikgitarren, Akkordeon, Violine, Kontrabass und Uilleann Pipes keltische Musiktradition mit Freibeuterei und Bob Dylans alter Antikriegsballade "John Brown".

Weite irische Landschaften öffnen sich musikalisch, werden sichtbar, fühlbar im melancholischen Instrumental "Father And Son" aus dem Soundtrack zum Film "Cal" aus dem Jahr 1984. Lässig und entspannt schwingt und springt "Skydiver". Und mitten in einer langen, sehr dynamisch arrangierten Version des alten Dire-Straits-Songs "Romeo and Juliet" wechselt Knopfler von der weichblechernen Vollmetall-Dobro zum warmen Holz der roten Strat, seinem typisch singenden und sirrenden Sound, erzeugt durch das berauschende Zusammenspiel von langsam gezogenen Saiten, gefühlvollem Fingertremolo und dezent eingesetztem Volumenpedal. Nur der hübsche alte Dire-Straits-Hit "Sultans Of Swing" wirkt wie ein Zugeständnis an die Fans, und daher auch ein bisschen abgenudelt, trotz Szenenapplaus für die bekannten Triolen-Triller in einem feinen Solo.

Am Ende nochmal die Strat

Brillant dann wieder "Marbletown", mit Besenschlagzeug von Ian Thomas, rasant treibendem Schienenschlagrhythmus, einem hitzigen Zwiegespräch zwischen John McCuskers Pizzicato-Geige und Glenn Worfs Kontrabass. Sowie einem netten "Stairways To Heaven"-Zitat, das gedreht wird in einen ganz eigenen Jazz. Dazwischen weht die Flöte von Mike McGoldrick. Die er, wie auch die Uilleann Pipes interessanterweise linkshändig spielt, während er alle Saiteninstrumente wie ein Rechtshänder bedient. Zu "Speedway At Nazareth" elektronische Puckern, und Knopfler dreht die Les Paul noch einmal auf, versetzt schwimmende Melodien in freies Fließen à la Grateful Dead.

Die letzten Stücke des Abends gehören den schönen Erinnerungen an Knopflers frühere Band Dire Straits. Eine bezaubernd lange – wie eine Suite in mehrere Teile gegliederte - Version von "Telegraph Road" aus dem Album "Love Over Gold" (1982). Mit bildungsmusikalisch klingendem Piano von Jim Cox. Und erneutem Wechsel Knopflers von akustischer Dobro zu elektrischer Strat, berauschender Dynamik und Melodik und ergreifend eindringlichem Gesang. Schwebende Hammond-Wolken von Guy Fletcher auf der die Les-Paul-Töne dahinfliegen zu "Brothers In Arms". Und "So Far Away", wo noch ein bisschen Ry Cooder hervorleuchtet. Zwei fabelhafte Stunden hatten einen dann auch fast den Konzertort vergessen lassen.

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