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Kultur : Kratzspuren

03.11.2007 00:00 UhrVon Thea Herold

Abstraktes von Hana Usui in der Galerie Oko

Es heißt, dass man die Härte der Proben und der Ausbildung beim Auftritt vergisst. Sonst wäre der Zauber dahin. Im Fall der 1974 geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin Hana Usui denkt man unwillkürlich an diese Regel. Es ist ihre erste Einzelausstellung – aber was für ein Auftritt! Gerade zwei Blätter füllen rechts und links die Wände der Galerie Oko, dazu noch wenige kleine Formate, doch der Raum wirkt aufgeladen und konzentriert den Blick wie auf einer Bühne. Obwohl ihre Arbeiten, physikalisch betrachtet, natürlich auf flachem Papier existieren, haben die Blätter drei Dimensionen.

Als Material wählt Usui erwartungsgemäß Japanpapier, verwendet dann aber Utensilien wie etwa einen Schraubenzieher und inszeniert ihre Linien, Flecken und Randsäume, diese duftigen Wischungen, nach einer unbekannten Dramaturgie.

Etwas Virtuoses bannt den Blick.

Ausgesucht werden Punkt und Kontur gezeichnet. Fast kommt es zum elektrischen Ladungsausgleich zwischen den Überschreibungen und Schnittpunkten. Dennoch gibt es keine zufälligen Tintenspritzer, nichts entfesselt Gekrakeltes. Stattdessen ahnt man die zeichnerischen Echos auf reale Eindrücke, abstrahiert und geistesgegenwärtig zu Papier gebracht. Als positive Verfremdung.

Diese schwebende Leichtigkeit, so entnimmt man ihrer Biografie, hat viel damit zu tun, dass sich die Ausbildungs- und Lebensjahre der Künstlerin nur wenig unterscheiden: Mit sechs Jahren erhielt Usui in Tokio ersten Unterricht in Kalligrafie, jenem traditionsreichen Teil der japanischen Kultur, der nach asiatischem Verständnis schon immer zu den bildenden Künsten gehört. Ihrer langen Lehrzeit verdankt die Künstlerin nun einen Schatz an Materialgefühl und Körpererfahrung, der perfekt zwischen den östlichen und westlichen Einflüssen balanciert. Thea Herold

Galerie Oko, Schröderstr. 12/I; bis 17. November, Mi-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-18 Uhr.

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