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Martin Jander

Jacco Pekelder:

Ich liebe Ulrike. Die RAF und die Niederlande 1970–1980. Agenda Verlag, Münster 2012. 284 Seiten, 34 Euro.

Heute operieren terroristische Netzwerke weltweit. In den 1970er Jahren begann, unter der Förderung osteuropäischer Geheimdienste, insbesondere aber der PLO, die Vernetzung terroristischer Gruppen erst. Die RAF, die unter anderem auch die Niederlande als Rückzugsraum nutzte, war zusammen mit vielen anderen Gruppierungen Teil dieses Internationalisierungsprozesses. Bisher gab es jedoch nur wenige Studien, die beschreiben, wie sich der deutsche Linksterrorismus in anderen westeuropäischen Ländern festsetzen und dort Unterstützung für die eigenen Ziele mobilisieren konnte. Eine der wenigen Studien ist dieses ausgezeichnete Buch von Jacco Pekelder, Professor für Moderne Geschichte an der Universität Utrecht. Es erzählt im Detail und ohne den in der Terrorismusforschung häufig anzutreffenden Verschwörungsgestus die Geschichten von Knut Folkerts, Christof Wackernagel, Ronald Augustin und Gert Schneider in den Niederlanden und ihre Unterstützung durch Aktivisten, Rechtsanwälte und öffentliche Meinung. Die Berichterstattung über Berufsverbote, Isolationshaft und andere Dinge mehr ließen vielen Niederländern die Bundesrepublik wie ein Land erscheinen, das auf dem Weg in einen Polizeistaat ist. Die jungen Aktivisten und Unterstützer der RAF glaubten, in Erinnerung an die Erfahrungen ihres Landes mit dem nationalsozialistischen Deutschland, eben denen helfen zu müssen, die dieser Entwicklung Widerstand entgegenzusetzen schienen. Der Leser hält ein herausragendes Beispiel empirischer transnationaler Terrorismusforschung in den Händen. Martin Jander

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